Hilfe beim Start ins Arbeitsleben für Jugendliche in Tirol

Für Jugendliche, die sich beim Übergang von der Schule in einen Beruf schwertun, bietet Tirol ein breites Unterstützungsangebot. Denn: Arbeitslosenzahlen bei Jugendlichen zeigen Handlungsbedarf.

Das Programm VERA unterstützt Jugendliche und hilft beim Start ins Berufsleben.
© VERA

Von Natascha Mair

Innsbruck –„Die Arbeitslosenzahlen bei Jugendlichen zeigen auf, dass Handlungsbedarf besteht. Besonders frühe Bildungsabbrecher stellen eine große Herausforderung dar“, sagt Yvonne Fall-Wehinger, Projektleiterin der Koordinierungsstelle AusBildung bis 18 Tirol (KOST). „Der Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung gestaltet sich für viele junge Menschen schwierig“, erklärt Fall-Wehinger. Über 5000 Jugendliche pro Jahrgang hätten keine über den Pflichtschulbesuch hinausführende Ausbildung, erklärt sie. Diese Jugendlichen sollen durch einen präventiven Ansatz künftig erst gar nicht zu Abbrechern werden und wenn doch, durch geeignete Angebote reintegriert werden.

Nico galt in der Mittelschule als aggressiv und war ein schlechter Schüler. Noch vor dem Ende der Pflichtschulzeit hörte er damit auf, in die Schule zu gehen, und hing nur noch mit Freunden ab. Über ein Jugendzentrum kam er zu dem Programm VERA, wo Jugendliche an eine Ausbildung herangeführt werden sollen. Dort arbeitete er ein Dreivierteljahr unter Anleitung von Coaches in verschiedenen Werkstätten. Er machte seinen Pflichtschulabschluss nach und war dann wieder eine Zeit lang bei VERA. Inzwischen absolviert der Jugendliche eine Lehre im handwerklichen Bereich, die ihm Mitarbeiter von VERA und dem Jugendcoaching vermitteln konnten.

Gründe für den Ausbildungsabbruch gebe es viele. Nicht immer stammen die Betroffenen aus bildungsfernen Familien, erklärt Fall-Wehinger. „Oft stecken körperliche und psychische Erkrankungen dahinter. Manchmal finden die Jugendlichen einfach keine passende Lehrstelle“, ergänzt die Fachfrau. Tirol sei gut aufgestellt, wenn es um Projekte gehe, die am Übergang zwischen Schule und Beruf wirken. „Besonders wichtig sind niederschwellige Projekte, die auch ausgrenzungsgefährdete Jugendliche erreichen“, betont Fall-Wehinger. Hier sei die offene Jugendarbeit ein kompetenter Partner, der junge Menschen erreiche, die von anderen Unterstützungsangeboten nicht erfasst würden. Die KOST-Projektleiterin weist außerdem darauf hin, dass Arbeitslosigkeit, das damit zusammenhängende Herausfallen aus allen Systemen und gesundheitliche Probleme ein fataler Kreislauf seien. „Daher ist ein breites Unterstützungsangebot von großer Bedeutung, um Abbrüche und deren negative Folgen für die jungen Menschen zu verhindern“, erklärt sie.

VERA ist eines dieser Angebote aus dem an der Schnittstelle von Schule und Beruf angesiedelten Unterstützungssystem. Das Programm bietet Jugendlichen die Gelegenheit, in drei verschiedenen Werkstätten mitzuarbeiten. „Projekte wie VERA sind wichtig, weil sie für Jugendliche einen einfachen, offenen und niederschwelligen Zugang bieten“, erklärt Lukas Polzinger, Projektleiter und Trainer bei VERA. Jugendliche können hier einfach vorbeikommen und mittrainieren. Später werden dann individuelle Pläne und Ziele vereinbart, die an ihre Bedürfnisse und an ihr Tempo angepasst sind, erzählt Polzinger. „Wir arbeiten gemeinsam und ohne Zeitdruck an Werkideen und -stücken. So können die Jugendlichen den sinnstiftenden Wert von Arbeit erkennen. Außerdem wird ihr Selbstvertrauen gestärkt und die Motivation gesteigert“, schildert Polzinger. So würden auch Verlässlichkeit und Pünktlichkeit trainiert – Grundlagen, um im Arbeitsleben, in der Schule oder in weiterführenden Maßnahmen Fuß zu fassen, betont er. Ziel sei es, Jugendliche in eine Lehrstelle oder eine andere Berufsausbildung zu vermitteln.

Yvonne Fall-Wehinger plädiert dafür, derartige Angebote auf ganz Tirol auszuweiten. „Besonders im ländlichen Raum fehlt es an leicht zugänglichen, inklusiven sowie für Jugendliche mit psychischen Beeinträchtigungen geeigneten Angeboten“, sagt sie. An dieser Stelle solle die geplante Vorstufe zu den Produktionsschulen des Sozialministeriumservice (SMS) – wo Jugendliche, die vor Antritt einer Berufsausbildung bzw. einer weiterführenden schulischen Ausbildung einen Nachholbedarf hinsichtlich ihrer schulischen, sozialen oder persönlichen Kompetenzen haben, an ihre individuelle Ausbildungsfähigkeit herangeführt werden – Abhilfe schaffen. „Wo die Produktionsschulen noch zu hohe Anforderungen stellen, werden Vormodule mit einem anfänglich geringen Stundenausmaß angeboten“, erklärt Angelika Alp-Hoskowetz, Leiterin der Landesstelle Tirol des SMS. 2020 solle es in allen Produktionsschulen ein Vormodul geben, ergänzt sie.


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