Ein Viertel aller Kinder weltweit „unsichtbar“: 166 Millionen nie registriert

Der Anteil registrierter Geburten ist laut UNICEF zwar in den letzten zehn Jahren um 20 Prozent gestiegen, 166 Millionen Kinder unter fünf Jahren bleiben dennoch nicht gemeldet. Die Chance auf Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen lebenswichtigen Dienstleistungen ist diesen Kindern oft verwehrt.

In den Subsahara-Ländern Afrikas sind derzeit nur bis zu zwölf Prozent aller Kinder unter fünf Jahren offiziell registriert. (Symbolbild)
© Hetfleisch

New York, Wien – Der Anteil der unter Fünfjährigen weltweit, die bei der Geburt offiziell registriert wurden, ist gegenüber dem vergangenen Jahrzehnt um rund ein Fünftel auf 75 Prozent gestiegen. Damit bleiben aber immer noch 166 Millionen Kinder unter fünf Jahren – eines von vier –, die nicht gemeldet sind, berichtete das UN-Kinderhilfswerk UNICEF anhand von Daten aus 174 Ländern.

„Ein Kind, das bei der Geburt nicht registriert wird, ist unsichtbar – in den Augen der Regierung bzw. des Gesetzes nicht vorhanden“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Henrietta Fore. „Ohne Identitätsnachweis sind Kinder oftmals von Bildung, Gesundheitsversorgung und anderen lebenswichtigen Dienstleistungen ausgeschlossen und außerdem anfälliger für Ausbeutung und Missbrauch.“

Niedrigste Registrierung in Afrika, steigend in Asien

Der Bericht „Geburtsregistrierung für jedes Kind bis 2030 – Sind wir auf einem guten Weg?“ wurde am Mittwoch, dem 73. „Geburtstag“ der Organisation, veröffentlicht. Die Mehrheit der Länder in Subsahara-Afrika liegt demnach hinter dem Rest der Welt zurück – Äthiopien (drei Prozent), Sambia (elf Prozent) und Tschad (zwölf Prozent) verzeichneten die niedrigsten Raten.

Anders die Entwicklung in Südasien, vor allem in Bangladesch, Indien und Nepal: In Indien zum Beispiel stieg der Prozentsatz registrierter Kinder von 41 (Zeitraum 2005-2006) auf 80 (2015-2016), seitdem UNICEF mit der indischen Regierung daran arbeitete, um den Zugang zu Registrierungszentren zu verbessern, Beamte zu schulen und die Öffentlichkeit aufzuklären.

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Zu den Hindernissen gehören mangelndes Wissen, unerschwingliche Gebühren für die Anmeldung einer Geburt oder den Erhalt einer Geburtsurkunde, Gebühren für eine verspätete Registrierung und lange Wege zur nächsten Registrierungsstelle. Traditionelle Bräuche – etwa, dass junge Mütter sich zuhause aufhalten müssen – können ebenfalls abträglich sein.

Mehr als ein Drittel aller Kinder ohne Gebursturkunde

Selbst wenn Kinder registriert sind, ist der Besitz einer Geburtsurkunde weniger verbreitet. 237 Millionen Kinder unter fünf Jahren – etwas mehr als eines von drei – besitzen keine.

Bis zum Jahr 2030, fordert UNICEF, sollte jedes Kind eine Geburtsurkunde ausgestellt bekommen und alle Eltern unabhängig vom Geschlecht ihr Kind anmelden können. Die Geburtenregistrierung sollte mit anderen Systemen verknüpft werden, um das Recht jedes Kindes auf Gesundheitsversorgung, soziale Sicherheit und Bildung zu erleichtern. Gemeinden sollten für jedes Kind eine Registrierung verlangen. Und es müsse in sichere technologische Lösungen für die Anmeldung investiert werden. (APA)


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