Mehr Pleiten von Tiroler Firmen, Zahl der Privatkonkurse stabil

Heuer mussten um ein Viertel mehr Firmen in Insolvenz als im Vorjahr. Die Privatkonkurse haben sich wieder auf einem normalen Niveau stabilisiert.

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© Erwin Wodicka - wodicka@aon.at

Innsbruck, Wien –Bei den Firmenpleiten zeichnete sich heuer in Tirol eine Trendwende ab: Während im Vorjahr ein Tiefststand seit der Jahrtausendwende verzeichnet wurde, stieg das Insolvenzniveau 2019 deutlich an.

Mit einem Plus von 26,2 Prozent auf 318 Insolvenzen gibt es in Tirol im Vergleich zu 2018 österreichweit den größten Anstieg bei den Firmenpleiten, berichtet der Kreditschutzverband KSV 1870. Österreichweit gibt es nur einen leichten Anstieg von 0,8 Prozent auf 5018.

Die Insolvenzzahlen in Tirol bewegen sich dennoch in einem gewöhnlichen Rahmen, berichtet der KSV. Der Ansteig mache aber deutlich, dass der Wettbewerb härter geworden sei. Vor allem der Fachkräftemangel und die schwächere Konjunktur in Deutschland würden den Tiroler Firmen zusetzen, heißt es vom KSV, der wegen des schwierigen Marktumfelds auch 2020 „keine massiven Änderungen“ bei den Firmeninsolvenzen erwartet.

Größte Tiroler Pleite 2019 war bislang jene der Capital & Immobilien Invest GmbH aus Wörgl mit 8,8 Mio. Euro Passiva, vor der Schwazer Mattro-Gruppe mit 3,6 Mio. Euro. Österreichweit war die Pleite der Firmengruppe SFL mit Passiva von 92,1 Mio. Euro die größte, gefolgt vom Folienhersteller Alufix mit 41 Mio. und dem Reiseveranstalter Thomas Cook mit 38 Mio. Euro.

Aufgrund mehrerer Hotelpleiten stiegen die Verbindlichkeiten in Tirol um 77 Prozent auf 83 Mio. Euro. So war das Gastgewerbe laut dem KSV mit 70 Fällen auch die Branche, die am häufigsten von Insolvenzen betroffen war.

Von den insgesamt 318 Insolvenzen konnte bei 136 kein Verfahren eröffnet werden, weil kein verwertbares Vermögen dafür vorhanden war.

Aufgrund der Abschaffung der Mindestquote von 10 Prozent und der Verkürzung der Abschöpfungsdauer von sieben auf fünf Jahre bei Privatinsolvenzen waren in den letzten beiden Jahren Extremwerte bei den Schuldenregulierungsverfahren in Tirol zu beobachten. Ein Minus von 18,5 Prozent auf 637 Privatinsolvenzen bedeute heuer eine Stabilisierung der Situation, erklärt der KSV, der sich gegen weitere Erleichterungen für private Schuldner ausspricht. (TT)


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