Franz Mölk in der Galerie Flora: Poetische Grenzüberschreitungen

Bekanntes und Überraschendes von Franz Mölk in der Innsbrucker Galerie Flora.

Ausschnitt aus Franz Mölks Wandererbild.
© Mölk

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Schon allein der Titel „Wanderer begegnet Grenzgänger in der Bibliothek“, den Franz Mölk seiner Ausstellung gegeben hat, ist bezeichnend dafür, wie der Innsbrucker Zeichner und Maler tickt. Ist ein Zeichen für sein visuelles Denken in literarischen Kategorien, wobei seine Bildgeschichten in unbestimmten Räumen spielen, deren „Personal“ zwar oft nackt, aber durchaus real ist.

Wenn er etwa in einer Serie kleiner Leinwände jeweils zwei durch Schleier mehr oder weniger verbundene Figuren zartblaue Räume durchtanzen lässt. Etwas manieriert formulierte, meist geschlechtslose Wesen, wie man sie von Mölk schon lange kennt. Weshalb es fein ist, dass der Künstler in der Schau bei Flora auch überrascht. Nicht nur mit einigen wunderbar frisch, fast expressiv und doch unvergleichlich elegant auf kleine Leinwände geschriebenen Impressionen. In denen es um Beziehungskisten geht, verdichtet in farbiger Delikatesse zu kürzelhaft knappen Haikus in Bildform.

Was durchaus nicht heißen soll, dass sich ein Künstler ständig neu erfinden muss. Wie Mölk auf seinen ein mal eineinhalb Meter großen „Partituren“ vorführt, die mit Hand- und Körpergesten aus seinem vor zwei Jahren erschienenen „Handbuch“ notiert sind. Wobei die einzelnen Bildzeichen durch die Überzeichnung bzw. Übermalung durch den Künstler zu ausdrucksstarken Sprachkörpern werden. Durchdekliniert in vier Varianten, aufgelegt als Multiple mit einer Auflage von je fünf Stück.

Zentrum der Mölk’schen Schau ist allerdings das dieser seinen Namen gebende Bild „Wanderer begegnet Grenzgänger in der Bibliothek“. Sein Malgrund ist ein ins Großformat aufgeblähter Druck einer winzigen, vom Künstler komplett überarbeiteten Zeichnung. Angelegt als Hommage an den 1869 in Bozen geborenen Schriftsteller Carl Dallago, der für Ludwig von Ficker den Ausschlag zur Gründung der Kulturzeitschrift Der Brenner gegeben hat. Mölk interpretiert den Naturphilosophen als Wanderer mit vielen Büchern im Gepäck, als kaum fassbaren Grenzgänger des Denkens, dessen idealer Ort für Grenzüberschreitungen im zeitlichen, räumlichen wie geistigen Sinn die Bibliothek war.

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