Abgebrühte Mitschunkler in leeren Wohnungen

Für sein neues, reichlich kühles Album „Hyperspace“ hat sich Pop-Bastler Beck mit Starproduzent Pharrell Williams zusammengetan.

Beck wurde mit dem Album „Mellow Gold“ 1994 bekannt. Der siebenfache Grammy-Gewinner wird im kommenden Jahr 50.
© Hapak

Innsbruck –„Es ist wie einer dieser Momente, in denen ein längerer Zeitraum nachhallt. Wie ein neuer Job in einer neuen Stadt. Man steht in einer leeren Wohnung und schaut aus dem Fenster auf eine Palme.“ So beschreibt Beck selbst sein neues Album „Hyperspace“. „Hyperspace“ sei ein Trennungsalbum, sagen die, die es wohl wissen. Tatsächlich hat Beck Anfang des Jahres die Scheidung von Schauspielerin Marissa Ribisi in die Wege geleitet. Und vielleicht hallt der längere Zeit – Beck und Ribisi waren seit 2004 verheiratet - wirklich nach.

Dann allerdings dürften Ehe und Eheende vergleichsweise kühl gewesen sein. Denn so klingt „Hyperspace“: klinisch kühl. Und doch schaumgebremst sehnsüchtig. Wenn im Refrain von „Stratosphere“ etwa sphärisch gesäuselt wird. Oder wenn Beck in „Dark Places“ über einen Ort spekulieren darf, an dem das doch noch was werden könnte mit dem „You and I“. „Dark Places“ ist denn auch eines der schönsten Lieder der Platte. Übertroffen eigentlich nur von „Everlasting Nothing“, der finalen Superschlussmacher-Nummer: Rockstar-Gestus von beinahe orchestraler Wucht als Einladung für besonders abgebrühte Mitschunkler. Die besonders schön schmachtenden „Stratosphere“-Säusler übrigens stammen von Chris Martin: Da kommt nicht nur Liebesendstimmung auf, sondern Weltendstimmung.

Der ganz große Name allerdings, den Beck für „Hyperspace“ gewonnen hat, ist nicht der Coldplay-Oberseufzer, sondern Pharrell Williams, der sieben der elf auf der Platte vereinten Songs produziert hat. Pharrell Williams ist spätestens seit seinen Welthits „Happy“ und – mit Daft Punk – „Lucky“ das Nonplusultra in Sachen „slicker“ Sound. Für Becks Blicke aus dem Fenster hat Williams einen feinen, aufs Notwendigste reduzierten Klang-und-Klimperteppich geklöppelt. Und Becks bisweilen betont am gegenwärtig Gängigsten orientiertes Pop-Gebastel ordentlich entschlackt. Mitunter in „Saw Lightning“ zum Beispiel bricht sich Beck’sche Opulenz doch noch Bahn. Wobei die scheppernde Gitarre in „Saw Lightning“ so selbstbewusst dreist an die unbeschwerten One-Hit-Wonder-Zeiten des Sängers („I’m a Loser“) erinnert, dass man doch noch den Hut ziehen will. Obwohl der auch als formatradiotauglicher Durchstarter konzipierte Song dann doch nicht wirklich durchstartet. Dazu klingt er zu kalkuliert, zu bemüht cool. Kurzum: zu kühl. Ein angenehmes Album ist „Hyperspace“ aber ohne Frage: hochprofessionell gebaute Klanglandschaften, melodische Refrains, frei flottierendes Autotune-Gedudel und im dritten großen Anspieltipp „Stars“ ein von Paul Epworth – dem Komponisten von Adeles „Rolling in the Deep“ – ins Keyboard gehämmertes Kinderlied-Motiv, zu dem Beck stimmlich den „Beatle“ in sich entdeckt. Dazu könnte man stundenlang in einer leeren Wohnung stehen und aus dem Fenster schauen. Mit oder ohne Palme. (jole)

Pop Beck: Hyperspace. Universal.


Kommentieren


Schlagworte