Weiter Weg vom Tanzboden zur Krippe

Tiroler Adventsingen mit fein musizierenden Gruppen und dem Spiel „Krippele schaugn!“ von Martin Kolosz.

Vor nächtlicher Bergkulisse mit fallenden Sternschnuppen stellen Kinder das stille Krippenbild.
© TVM/SeesickVisuals

Innsbruck –Ungewöhnlich begonnen hat es schon, das Tiroler Adventsingen 2019, das am Samstag und Sonntag dreimal im Saal Tirol des Congress über die Bühne ging. Da wurde ausgelassen getanzt und gelacht zu einer schwungvollen Versio­n des Andachtsjodlers. Das mocht­e befremdet haben. Dazwischen drei Gestalten, die vor lauter Selber­brenntem nicht mehr wissen, wie ihnen geschieht. Stani, Lias und Hermann durchkreuzen voll von „Gloriawasser“ die Menschen, die zum „Krippel­e schaugn!“ unterwegs sind. Dieser Tag wird nicht spurlos an ihnen vorübergehen.

Wieder hat der Vorstand des Tiroler Volksmusikvereins unter Peter Margreiters Führung viel aufgeboten für diese knapp zwei Stunden, die das Publikum wie im realen Brauchtum zur Krippe führen sollen. Von Haus zu Haus gehend, erhält die Ankunft des Herrn besondere Bedeutung, erklärt Bühnenpfarrer Walter Pichler. Die klare Dramaturgie des Weihnachtsgeschehens verwebt Wort und Ton, was seit einigen Jahren beim Tiroler Adventsingen im Sinne eines intensivierten Gesamterlebnisses zu einem jeweils neuen szenischen Spiel mit abgestimmten musikalischen Beiträgen führt. Den Text zum auch durchaus unterhaltsamen „Krippel­e schaugn!“ verfasste Martin Kolosz, in bewährten Händen lagen ­musikalische Gestaltung bei Peter Kostner und Regie bei Norbert Mladek.

Sorgfältig ausgesucht die Musizierenden: die bekannten Augeiger, die Kitzbüheler Feischtagmusig in tiroltypischer musikalischer Vielseitigkeit, glänzend G’audio Brass, der in Klang und Reinheit wunderbare Osttiroler Frauen-Dreigesang Geschwister Senfter, die warme Ausstrahlung des Südtiroler Männerviergesangs Puschtra Herbischtsinger mit Peter Moser an der Zither, der taufrische Jugendchor Stimmpfeffer unter Maria Luise Senn Drewes’ Leitung. Die Vokalensembles machten vielfach mit weniger bekanntem tradierten Liedgut vertraut, Schwerpunkt der Instrumentalisten war Musik des früh verstorbenen Gregor Leutschacher.

Die Stimmigkeit des feinen Musizierens wurde aufgenommen von der Verkündigung an Maria, von den Erklärungen des Krippen­bauers Andreas Zorn, dem von Kindern gestellten lebenden Krippenbild mit Hirten, vom Erzengel Gabriel (Isabell­a Bucher). Bernhard James Lang, Sebastian Pretis und Benedikt Grawe spielten mit Komik die drei Störenfriede, ließen aber leise spüren, dass sie das Geschehen der Weihnacht einholte. Ihre Reise beendeten sie kniend als die Drei Könige und überbrachten auch ihren Flachmann. Ein sensibles, zeitnahes Bild.

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Das Tanzverbot in der stillen Zeit wird von der Volkstanzszene weiterhin eingehalten. Fürs Schnapsln gilt so etwas nicht. Die Verfremdung und leere Lustbarkeit zu Beginn des Spiels hatte Entsprechung und Sinn – unmittelbar neben den Christkindlmärkten. (u.st.)


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