Raumkosmetik, die kleine Wunder wirkt

Wally Salner verpasst Innsbrucks Neuer Galerie bei ihrem „Abendakt 19 h“ ein radikales Make-up.

Impression aus Wally Salners „Abendakt 19 h“.
© Tiroler Künstlerschaft

Von Edith Schlocker

Innsbruck –Wally Salner versteht sich als Fashion-Designerin. Was allerdings nicht bedeutet, dass sie ausschließlich mehr oder weniger Kleidsames für menschliche Körper de­signt, sondern auch für Räume. Etwa die Neue Galerie der Tiroler Künstlerschaft, der die in Wien lebende Tirolerin ein radikales Make-up verpasst hat. Um als gute Kosmetikerin Schwachstellen zum Stilmittel zu verkehren.

Um das tun zu können, musste Wally Salner den Raum, der so tut, als wäre er ein White Cube, jedoch komplett ausziehen. Etwa die Stellwände durch blaues Licht demaskieren, das die Künstlerin hinter diesen Wandpaneelen installiert hat. Als einzige künstliche Beleuchtung der galeristischen Räume, was deren Atmosphären je nach Tageszeit oder Wetter immer anders ausfallen lässt. Das Licht wird aber auch zum zentralen Element der Inszenierung. Um das Gewohnte zu dekonstruieren, skulpturale Qualitäten des Raumes freizulegen. Der schönen alten Gewölbe inklusive ihrer mächtigen Stichkappen über den Fenstern, der Wände, die durch das Licht fast zu Räumen werden, genauso wie des Bodens mit seinen subtil malerischen Qualitäten.

Wenn es sein muss, greift Salner als Raumkosmetikerin aber auch auf radikalere Mittel zurück. Wenn sie etwa in einen der Räume ein streng geometrisches Stangensystem inte­griert, um auf diese Weise dem diffusen Ambiente eine klare lineare Struktur zu verpassen. Was so etwas wie einen Raum im Raum definiert, während ein anderer mit einer weißen Skulptur möbliert ist, die aus nichts anderem als zwei mit weißen Hussen verkleideten Stehtischchen besteht.

Eines der galeristischen Fenster hat Wally Salner mit einem gewöhnlichen weißen Spannleintuch halb verhängt. Als schräger Verschnitt aus rüschigem Pathos und dem spielerischen Reiz des Provisorischen. Die zwei zarten Aktzeichnungen, die die Künstlerin fein in Passepartouts gerahmt an die Wand gehängt hat, muten in diesem Setting irgendwie anachronistisch an, sind aber gerade in ihrer Brüchigkeit wieder erfrischend stimmig.

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