„American Idiot“ in Innsbruck: Erfolgsstück rockt das Haus

Das Musical „American Idiot“ mit der (eingedeutschten) Musik von „Green Day“ wurde in München gefeiert. Ab heute gastiert dieselbe Produktion im Tiroler Landestheater.

Großer Auftritt für den Musical-Nachwuchs. Das Ensemble von „American Idiot“ in Aktion (vorne, 5. von links: Edward R. Serban als „Johnny“).
© Lioba Schöneck

Von Markus Schramek

Innsbruck –Heute Abend wird das Große Haus im Tiroler Landestheater gerockt, vielleicht wackelt es sogar: „American Idiot“, ein Broadway-geadeltes Musical mit Musik der nicht eben unbekannten Punkrock-Band Green Day, ist in der Stadt.

Musical-Darsteller Edward R. Serban: „Das Stück fordert uns auf ganzer Linie: schauspielerisch, tänzerisch, sängerisch.“
© Christian Hartmann

Im November war diese Produktion am Prinzregentheater in München zu sehen und stieß auf fast schon euphorische Aufnahme. Theaterkritiker Jörn Florian Fuchs zeigte sich in der TT angetan von einem „perfekt choreografierten Neunzigminüter mit nie nachlassendem Drive“.

Vorfreude scheint in Innsbruck also berechtigt, denn der gesamte Produktionstross ist vom Prinzregenten- ins Tiroler Landestheater übersiedelt, als Koproduktion unter Nachbarn. Regie führt (wie schon in München) Landestheaterintendant Johannes Reitmeier. Auf der Bühne sorgt die Band Vanden Plas für den Livesound. Studenten der Bayerischen Theaterakademie August Everding legen sich als Darsteller ins Zeug. Für einige ist es der Abschluss ihrer Musical-Ausbildung.

„American Idiot“ steht erstmals in einem österreichischen Theater auf dem Programm. Skript und sämtliche Songs von Green Day wurden, vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, ins Deutsche übersetzt, denn die Band um Sänger und Songwriter Billie Joe Armstrong hat sich folgende Formel ausbedungen: Aufführungssprache = jeweilige Landessprache. So wird aus dem hymnischen Mega-Hit „21 Guns“ auf Deutsch „Kampf jeder Gewalt“.

Inhaltlich heftet sich „American Idiot“ an die Fersen dreier Jungspunde in einem trostlosen Kleinstadt-Kaff US-amerikanischen Zuschnitts. Sich selbst überlassen und auf der Suche nach Halt, stürzen sie sich in wilde Partys und Exzesse, gefolgt vom harten Aufprall in der Realität.

In der Rolle von Anführer Johnny, der im Drogenrausch unterzugehen droht, ist Edward R. Serban zu sehen. Der 23-jährige Oberösterreicher verfügt trotz seiner Jugend über viel Bühnenerfahrung. „Bei meinem ersten Auftritt war ich neun Jahre alt“, erinnert sich Serban, beim Relaxen zwischen zwei Probedurchläufen, im Gespräch mit der TT. Noch während seiner Schulzeit in Linz begann er mit der Musical-Ausbildung, die er nach der Matura ab 2016 in München fortsetzte.

„American Idiot“ bedeutet für Serban das Karriere-Highlight bisher: „Das Stück fordert uns auf ganzer Linie: schauspielerisch, tänzerisch, sängerisch.“ Das Landestheater kennt der junge Mann schon: Er war bei „West Side Story“ mit von der Partie.

Nur wenige Schauspielhäuser im deutschsprachigen Raum nehmen ein Musical-Ensemble fix unter Vertrag. Auch Serban stellt sich darauf ein, dass er auch nach absolvierter Ausbildung flexibel bleiben muss. „Ich bin auf Jobsuche“, ist ihm klar.

Mitte Jänner pilgern die Absolventen diverser Musical­schulen an die Universität der Künste nach Berlin. Dort ist ein abschließendes Vor­sprechen angesetzt. Unter den Zuhörern: Theaterleute und Talentescouts.

Serban ist um seine berufliche Zukunft nicht bang. Die Referenz einer großen Produktion hat er mit „American Idiot“ in der Tasche. Und er ist dankbar dafür, dass er einen der wenigen Ausbildungsplätze an der Münchner Everding-Akademie erhalten hat: „Es gibt 200 Bewerber jährlich, bei mir hat es geklappt.“

Dass alles wunschgemäß läuft, darf man dem gesamten Ensemble von „American Idiot“ für die sechs Gastspiele in Innsbruck wünschen.


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