Mutmaßliches Klimt-Gemälde nach 23 Jahren in Müllsack aufgetaucht

In einem Müllsack hinter einer mit Efeu bewachsenen Türe eines Museums in Piacenza tauchte ein gestohlen geglaubtes Gemälde des österreichischen Malers Gustav Klimt wieder auf. Das Porträt stand auf der Liste der wertvollsten fehlenden Kunst in Italien an zweiter Stelle.

Klimts „Bildnis einer Frau“ (1916–18) zählt zu den meistgesuchten Gemälden der Welt. Nun dürfte es wiederentdeckt worden sein.
© CC/Ricci Oddi

Rom – Ein 1997 in Italien gestohlenes Gemälde des österreichischen Malers Gustav Klimt (1862-1918) ist offenbar wieder aufgetaucht. Das „Bildnis einer Frau“, das vor 22 Jahren aus der Galerie Ricci Oddi in der norditalienischen Stadt Piacenza entwendet worden war, wurde in einem Verlies im Garten der Galerie entdeckt.

Bei Arbeiten im Garten der Galerie für moderne Kunst wurde der Efeu geschnitten, der über eine Außenwand wuchs. Dahinter wurde eine Tür entdeckt und dahinter ein Zwischenraum, in dem das Bild in einem Sack gefunden wurde. Das Gemälde, noch mit Stempel und Siegel versehen, sei in gutem Zustand, berichtete der Direktor der Galerie, Massimo Ferrari.

Das „Bildnis einer Frau“ aus der Zeit 1916-1918 gilt als eines der meist gesuchten Gemälde der Welt. Es wurde von Klimt in seinen letzten Lebensjahren geschaffen. Es befindet sich jetzt in Polizeigewahrsam und wird auf seine Echtheit überprüft. Die Polizei inspizierte am Mittwoch das Verlies. Die Staatsanwaltschaft von Piacenza leitete Ermittlungen wegen Hehlerei ein, bestätigte die Polizei gegenüber der APA.

Der Galeriedirektor geht davon aus, dass die Diebe, die das Gemälde entwendet hatten, es im Verlies unweit der Galerie versteckten, um es nach einigen Tagen abzuholen. Wegen des Medienrummels nach dem Diebstahl und der starken Präsenz von Sicherheitskräften hätten sie das Gemälde aber nicht mehr wegbringen und wahrscheinlich nur schwer verkaufen können.

In einem schwarzen Müllsack war das Gemälde versteckt. Gefunden wurde es von einigen Arbeitern, die mit der Säuberung des Gartens beschäftigt waren. „Als mir die Arbeiter erzählt haben, dass sie in einem Versteck ein Bild gefunden haben, dachte ich zuerst an einen Scherz. Als ich das Gemälde gesehen habe, habe ich aber sofort begriffen, dass es sich um Klimts ‚Bildnis einer Frau‘ handelte. Ich habe es sofort erkannt. Mir zitterten die Hände, als wir das Bild aus dem Sack geholt haben. Schließlich handelt es sich um das in Italien zweit meistgesuchte Werk nach dem in Palermo 1969 gestohlenen Caravaggio-Gemälde“, berichtet Dario Gallinaro, Mitarbeiter der Galerie für moderne Kunst, im Gespräch mit der APA.

Echtheit muss noch geprüft werden

Das Gemälde war im Februar 1997 bei Renovierungsarbeiten in der Galerie entwendet worden, gerade als die Alarmanlage nicht funktionierte. Man vermutete, dass die Diebe über das Dach geflüchtet seien. Zuerst konzentrierten sich die Ermittlungen auf die Aufseher der Galerie, die Untersuchung gegen sie wurde jedoch mangels an Beweisen eingestellt. Das Ölbild gilt wegen seiner Bekanntheit als unverkäuflich. Es ist Teil einer Serie von Damenporträts, die Klimt in den letzten Jahren seiner Arbeit zwischen 1916 und 1918 geschaffen hatte. Mit dem Diebstahl hatten sich die Carabinieri 2014 erneut beschäftigt. Damals wurde ein Fingerabdruck mit neuen Technologien überprüft, den der Dieb angeblich beim Diebstahl auf dem Rahmen des Gemäldes hinterlassen hatte.

„Sollte die Echtheit des Bildes bestätigt werden, wäre dies eine große Freude für die Stadt“, kommentierte das für Kulturfragen zuständige Stadtratsmitglied von Piacenza, Jonathan Papamarenghi. Der berühmte italienische Kunstexperte Vittorio Sgarbi hofft, dass die Echtheit des Gemäldes bald bestätigt werden kann. „Sollte das Gemälde echt sein, wäre dies das schönste Weihnachtsgeschenk für die Stadt Piacenza. Es handelt sich um ein wunderbares Werk, das der ganzen Galerie Glanz verliehen hat“, sagte Sgarbi.

Galeriedirektor Ferrari rechnet damit, dass infolge des Medieninteresses der Wert des Bildes noch weiter steigen könnte. „Dank dieses Medienrummels kann der Wert des Gemäldes sich vervierfachen, da es weltberühmt wird“, so Ferrari. Die private Galerie war in den 1930er-Jahren vom Kunstsammler Giuseppe Ricci Oddi gegründet worden, der die Sammlung dann seiner Stadt Piacenza schenkte. Die Galerie ist täglich für Besucher geöffnet. Sie enthält über 300 Werke moderner Kunst. (APA)


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