Reanimationstraining in der Schule: Früh übt sich, Leben zu retten

Mit der Initiative „Kids Save Lives“ entstehen seit geraumer Zeit europaweit Bemühungen, Reanimationstrainings an die Schulen zu bringen. Im Jänner startet in Innsbruck ein Pilotprojekt.

1. Atmung überprüfen
© Vanessa Rachlé / TT

Von Theresa Mair

Innsbruck – Der Notfallcheck, bei dem die Reaktionslosigkeit eines Patienten und die Atmung überprüft werden, sowie die Herzdruckmassage stehen in diesem Schuljahr zumindest an einem Tag auf dem Stundenplan von vorerst zwei Schulen in Innsbruck. Unter dem Dach der Plattform „Kids Save Lives Austria“ startet im Jänner das Jugendrotkreuz zusammen mit allen Rettungsdienstorganisationen in Innsbruck – Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser und Samariterbund – damit, Reanimation mit den Kindern an den angemeldeten Schulen zu üben. Das Pilotprojekt wird zudem von der Studenteninitiative IGNI unterstützt und steht unter der Schirmherrschaft des Österreichischen Rats für Wiederbelebung (ARC) sowie der Innsbrucker Uniklinik für Anästhesie. Geplant ist jeweils eine zweistündige Einheit am Ende der Volksschule sowie zu Beginn und am Ende der Mittelschule. „Es geht dabei gar nicht darum zu glauben, dass ein Volksschüler danach jeden reanimieren kann. Dafür ist er noch zu leicht“, sagt Michael Baubin, Bereichsoberarzt für Notfallmedizin an der Uniklinik für Anästhesie in Innsbruck und Vorsitzender des ARC.

Die vom Europäischen Rat für Wiederbelebung ins Leben gerufene und von der Weltgesundheitsorganisation unterstützte Initiative „Kids Save Lives“ verfolgt andere Ziele: Kinder sollten bereits vor der Pubertät mit Reanimationsmaßnahmen vertraut werden – und das abgekoppelt von Erste-Hilfe-Maßnahmen. „Reanimation hat ein Alleinstellungsmerkmal. Denn im Moment ist sie definitiv lebensrettend. Sie geht aber im Gesamtpaket der Ersten Hilfe oft unter“, erklärt Baubin. Dänemark, wo Reanimation bereits seit zehn Jahren verpflichtend an den Schulen unterrichtet wird, habe vorgemacht, wie Wiederbelebung zu einem Kulturgut wie Radfahren und Schwimmen werden kann. Dazu müsse sie aber gelehrt und geübt werden, bevor Schüler im Jugendalter „das Wort ,aber‘“ verinnerlichen.

2. Schnell und tief drücken
© Vanessa Rachlé / TT

Baubin meint damit, dass Reanimation nur dann zur Selbstverständlichkeit wird, wenn sie in Fleisch und Blut übergeht, bevor man im Teenageralter beginnt, sich Sorgen über mögliche Fehler zu machen. Doch es sei immer besser, irgendetwas zu tun, als gar nicht zu helfen. „Die Technik der Herzdruckmassage kann man Kindern gut beibringen“, sagt Baubin. Kinder sind auch Multiplikatoren. Der Plattform „Kids Save Lives“ geht es darum, dass Schulkinder ihr Wissen nach Hause tragen, oder wie es Baubin anschaulich sagt: „Wenn der Opa umfällt, kann das Kind die Mama zur Reanimation anleiten.“

Mit dem gemeinsamen Start aller Rettungsdienstorganisationen in Innsbruck versuchen die Initiatoren, auch die Rettungsdienste und die Schulen in anderen Bezirken zu motivieren, sagt Armin Krösbacher, der als Anästhesist an der Klinik sowie Schulungsarzt und stv. Obmann des Roten Kreuzes Innsbruck mit von der Partie ist. „Wir wollen ein tirolweites Netzwerk bauen.“ Vereinzelt gebe es nämlich schon seit Langem Bemühungen, Reanimation an die Schulen zu bringen, etwa in den Bezirken Lienz und Kufstein, zwischenzeitlich auch in Reutte. Mit den vorerst geplanten drei Besuchen an den teilnehmenden Schulen wolle man zudem den Lehrern einen Anreiz bieten, Reanimation in den Unterricht einzubauen. „Es gibt viele Lehrer, die das können. Es wäre toll, wenn sie Reanimation langfristig drei- bis viermal im Jahr z. B. in den Turnunterricht einbauen“, sagt Krösbacher. Die Initiatoren wünschen sich zudem einen Auftrag und Rückenstärkung von der Politik.

3. Mund-zu-Mund-Beatmung
© Vanessa Rachlé / TT

In Tirol konnten 2018 übrigens 180 Patienten, die einen Herzstillstand erlitten hatten, auch dank Ersthelfer-Reanimation gerettet werden. Nachholbedarf besteht aber bei der Nutzung der öffentlich zugänglichen Defibrillatoren. „Sie wurden nur in 1,7 Prozent der Reanimationen angewendet“, so Baubin. Es gibt also noch immer Luft nach oben.

Die wichtigsten Schritte der Wiederbelebung

1. Atmung überprüfen: Wenn man als Ersthelfer auf einen bewusstlosen Menschen trifft, ist der erste Schritt immer der so genannte Notfallcheck. Man überprüft, ob der Patient atmet, so wie es Armin Krösbacher vom Roten Kreuz in Innsbruck vorzeigt. „Wichtig ist: Wiederbelebung ist nicht eklig, auch nicht gefährlich, sondern kinderleicht“, sagt er.

2. Schnell und tief drücken:

Am besten, man summt den Radetzkymarsch oder „Stayin alive“ von den Bee Gees und drückt tief und schnell (100-mal pro Minute) im Rhythmus der Musik in der Mitte der Brust – am Brustbein, zwischen den Brustwarzen – bis der professionelle Rettungsdienst eintrifft. Sind mehrere Ersthelfer zur Stelle, wechselt man sich nach jeweils zwei Minuten ab.

3. Mund-zu-Mund-Beatmung:

Die Herzdruckmassage steht absolut im Vordergrund, denn die Lungen und das Blut haben in den ersten Minuten noch genügend Sauerstoff. Die Schüler lernen die Mund-zu-Mund-Beatmung in der letzten Einheit. Faustregel: Auf 30-mal drücken folgt zweimal beatmen. Wer sich nicht traut, drückt weiter.


Kommentieren


Schlagworte