Großbritannien wählt ein neues Parlament

In Großbritannien haben am Donnerstagfrüh die Parlamentswahlen begonnen. Zum dritten Mal in vier Jahren können die Briten über die Zusammensetzung der 650 Sitze im Unterhaus entscheiden. Die Wahllokale haben bis 22.00 Uhr (Ortszeit, 23.00 Uhr MEZ) geöffnet. Jüngsten Umfragen zufolge dürften die Tories von Premier Johnson einen knappen Sieg einfahren.

Premierminister Boris Johnson, der Ende Juli von seiner Vorgängerin Theresa May eine Minderheitsregierung übernommen hatte, hatte vorgezogene Neuwahlen herbeigeführt, um sich im Streit um den EU-Austritt eine Mehrheit im Parlament zu verschaffen. Laut der letzten Umfrage vor der Wahl haben Johnsons konservative Tories eine noch im November vorhergesagte komfortable Mehrheit eingebüßt, die Labour-Partei von Oppositionsführer Jeremy Corbyn konnte sich stabilisieren. Der Erhebung zufolge kämen Johnsons Tories auf 41 Prozent der Wählerstimmen und Labour auf 36 Prozent. Ob dies für eine Mehrheit der Sitze reichen würde, ist offen.

In vielen Wahlkreisen, vor allem in Mittel- und Nordengland, liefern sich die Konservativen und Labour ein enges Rennen. Das Ergebnis dort könnte entscheidend für das Wahlergebnis des ganzen Landes sein. Denn das britische Mehrheitswahlrecht kennt nur Direktmandate. Ins Parlament ziehen nur die Kandidaten mit den jeweils meisten Stimmen in einem der 650 Wahlkreise ein - egal wie knapp ihr Sieg war. Die Stimmen für unterlegene Kandidaten verfallen.

Oppositionsparteien wie die Liberaldemokraten und die Schottische Nationalpartei riefen daher zum taktischen Wählen auf. Selbst der Schauspieler Hugh Grant, ein ausgesprochener Johnson-Gegner, machte dafür Werbung. Johnson versuchte daher bis zuletzt, in diesen hart umkämpften Wahlkreisen Stimmen zu gewinnen.

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Die Konservativen um Johnson treten mit dem Slogan „Get Brexit Done“ (Vollzieht den Brexit) an. Sollte Johnson die Mehrheit bekommen, will er noch vor Weihnachten seinen Austritts-Deal mit der EU durchs Parlament bringen und im neuen Jahr mit den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen beginnen.

Die Opposition um Labour-Parteichef Corbyn will den EU-Austritt hingegen noch einmal verschieben: Erst soll ein neuer Deal mit Brüssel verhandelt werden, der Großbritannien deutlich enger an die EU bindet, als es Johnsons Vereinbarung tun würde - dann soll die Bevölkerung in einem Referendum zwischen diesem Deal und einem Verbleib in der EU entscheiden.


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