Wanderweidewirtschaft im Ötztal “immer schon etwas Besonderes“

Die uralte Tradition der Wanderweidewirtschaft wird internationales immaterielles Kulturerbe – dazu gehört auch die „Transhumanz“.

In der ersten Juni-Hälfte kommen die Schafe von Südtirol herüber ins Venter Tal.
© Defner

Sölden –Die auch im hinteren Ötztal praktizierte Wanderweidewirtschaft („Transhumanz“) ist internationales immaterielles Unesco-Kulturerbe. Die gemeinsame Einreichung von Österreich, Italien und Griechenland wurde am Mittwoch bei der Sitzung des zwischenstaatlichen Unesco-Komitees in Kolumbien in die Repräsentative Liste aufgenommen.

„Transhumanz“ ist eine den Jahreszeiten folgende Alm- und Weidebewirtschaftung: die Wanderschaft von begleiteten Herden entlang bestimmter Routen. Sie existiert in vielen Weltregionen. Die Schaf-Wanderungen vom Schnalstal und dem Passeiertal ins Venter Tal gelten als einzige grenzüberschreitende Transhumanz in den Alpen, die über Gletscher führt.

Alte Rituale und Bräuche wie das Festlegen der Weideplätze und die Zahl der Schafe, die Bezahlung oder der gemeinsame Kirchgang vor dem Übertrieb werden bis heute ausgeübt. In die nationale Liste des immateriellen Kulturerbes wurde die Tradition bereits 2011 aufgenommen.

„Wir wussten immer schon, dass es was Besonderes ist“, zeigt sich der Bürgermeister von Sölden, Ernst Schöpf, erfreut, dass man nun eine derartige Auszeichnung erfährt. Die Südtiroler Schafbauern haben Grundbesitz im Venter Tal, begründet er die jahrhundertealte Tradition. Und: „Dass Sölden die größte Gemeinde Österreichs ist, hängt mit der Teilung Tirols zusammen – damals wurde die Grenze entlang des Alpenhauptkammes gezogen.“ Zuvor war es teilweise Gemeindegebiet der Südtiroler Orte.

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„1400 bis 1500 Schafe kommen jedes Jahr in der ersten oder zweiten Juniwoche herüber“, erklärt Peter Scheiber, der mit seinem Bruder Michael die Martin-Busch-Hütte bewirtschaftet. Die liegt genau auf dem Weg des spektakulären Viehtriebs. „Das ist uraltes Kulturgut – das gehört bewahrt“, freut Scheiber die internationale Anerkennung. Gut acht Stunden sind Mensch und Tier unterwegs, „da gehen alle an ihre Grenzen“, weiß der Sölder Schafbauer Stefan Brugger.

„Die Routen für Herden mit ihren Schäfern und die damit zusammenhängenden Rituale verbinden die Menschen in dieser Region seit Jahrhunderten“, betonte Sabine Haag, Präsidentin der österreichischen Unesco-Kommission. „Das Wissen und die Weitergabe dieser besonderen Form der Wanderweidewirtschaft, der Transhumanz, ist wichtiges kulturelles Erbe und trägt wesentlich zu einem alttradierten Verbund von Natur und Mensch bei.“

Mit der Aufnahme der Transhumanz sind nun sechs österreichische Traditionen auf der Repräsentativen Unesco-Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit: die Falknerei, das Wissen im Umgang mit der Lawinengefahr, das Handwerk des Blaudrucks und die Transhumanz als multinationale Einreichungen sowie das Imster Schemenlaufen, die Hohe Schule und Klassische Reitkunst der Spanischen Hofreitschule als rein österreichische Traditionen. (APA, pascal)


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