Bordell am Urisee im Außerfern ist kein großes Geschäft

Die Aufregung war groß, als das Bordell am Urisee durch die Genehmigungsverfahren lief. Das Freudenhaus sperrte auf, große Freude wollte sich aber vor allem bei den Betreibern seither keine einstellen, denn die Geschäfte liefen und laufen schleppend.

Bordellbetreiberin Cornelia Füssinger beim Pressetermin im „6. Himmel“.
© Mittermayr Helmut

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Kleine Dinge, große Wirkung. Das Verschließen des Weges vom Parkplatz der B179 zum Bordell „6. Himmel“ am Urisee durch das Baubezirksamt blieb nicht folgenlos. Nicht ein einziger durchreisender Lkw-Fahrer hat im ersten Jahr nach der Eröffnung den Weg ins Bordell am Urisee gefunden. Von der vermeintlich guten Lage an der Fernpassstrecke, von der etwa die Highline profitiert, ist das Etablissement weit entfernt – buchstäblich abgezäunt. Es ist mit einem Fahrzeug nur über die innerörtliche Gemeindestraße erreichbar.

Die Aufregung war in den vergangenen Jahren groß, als das Bordell durch die Genehmigungsverfahren lief. Eine Bürgerbewegung wollte die Eröffnung verhindern und hatte 1300 Unterschriften dagegen gesammelt. Das Freudenhaus sperrte trotzdem auf, große Freude wollte sich aber vor allem bei den Betreibern seither keine einstellen, denn die Geschäfte liefen und laufen schleppend. So spricht auch der Lebensgefährte der Bordellbetreiberin von „weniger Potenz als erwartet“ und meint nicht die Manneskraft, sondern „den Bedarf“. Das Einzugsgebiet in 80 km Umgebung liege theoretisch bei 800.000 Personen. „Aber irgendwie haben die Einheimischen Angst. Angst, erkannt zu werden, Angst, im Bademantel an der Bar zu sitzen, vielleicht Angst vor Frauen“, philosophiert er. Und entwickelt auch Galgenhumor: „Die Männer sind halt so anständig in Reutte. Oder die Frauen solche Drachen, dass sich keiner hierhertraut.“ Seit Freitag und Samstag auf Swingerpartys umgestellt wurde, läuft das Geschäft besser. Und Aufgeben ist sowieso nicht ihr Ding, erklärt Cornelia Füssinger weiter. Das Projekt benötige einen langen Atem – und den habe sie.

Die gar nicht so seltenen Besuche von Männern in Gruppen – wie Sportvereine oder Polterabende – hätten sich als geschäftlicher Flop erwiesen. „Da kommt es nie zum Abschluss. Fünf wollen, fünf wollen nicht. Am Ende gehen alle heim.“ Einheimische machen rund 20 Prozent der Besucher aus. 40 Prozent kommen aus dem Allgäu, die restlichen 40 Prozent setzen sich aus Durchreisenden und Touristen zusammen.

Als unbegründet hätten sich die Ängste der Gegner herausgestellt, betonen sie. Es gebe keine durch das Bordell angezogene Kriminal- und Drogenfälle oder Ähnliches. Die Uriseebesucher seien vollkommen „unbelästigt“ geblieben, Damen dort nicht auf Werbetour gegangen.


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