Umweltschützer: Alternativen zu Gletscherehe zu wenig geprüft

Reine Seilbahnlösung zu Pitztal-Ötztal wurde nicht vertiefend geprüft. WWF und Alpenverein fühlen sich durch UVP-Gutachten in Kritik bestätigt.

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Unter anderem ist eine Mittelstation unter dem linken Fernerkogel geplant.
© Thomas Boehm / TT

Von Peter Nindler

Innsbruck –Dass die Lärmbeeinträchtigung gerade für das in der Nähe der künftigen Talstation für die Zubringerbahn zum Gletscherskigebiet errichtete Chaletdorf als „untragbar“ eingestuft wird, ist für die Kritiker der Gletscherehe das Tüpferl auf dem i. Weil aber das niederländische Investorenmodell mit Eigentümern aus Tschechien, Polen, Deutschland, Frankreich oder Holland keinen ständigen Aufenthalt der Besitzer erlaubt, relativiert sich einiges. Das Umweltverträglichkeitsgutachten (UVP) geht in diesem Fall von vertretbaren Unbilden aus.

Nichts abzuschwächen gibt es allerdings bei den Auswirkungen eines Zusammenschlusses der Skigebiete auf dem Pitztaler und Ötztaler Gletscher auf das Landschaftsbild („untragbar“) oder auf die Lebensräume für Tiere und Pflanzen („wesentlich“).

„Im UVP-Gutachten wird eindeutig bestätigt, dass hier wird etwas unwiederbringlich zerstört wird. “ Liliana Dagostin (Alpenverein)
© Alpenverein

Für Liliana Dagostin vom Alpenverein sind das K.-o.-Kriterien, „weil hier etwas unwiederbringlich zerstört wird“. Wegen dieser massiven Eingriffe könnten auch keine regionalwirtschaftlichen Aspekte das öffentliche Interesse für das Gletscherprojekt rechtfertigen. In der ab 22. Jänner beginnenden mündlichen Verhandlung müssen für Dagostin außerdem noch das Thema Verkehr ­intensiver beleuchtet werden und die Folgen für das Schutzgut „Boden“ im Zusammenhang mit dem Projekt und dem Klimawandel. Und viele offene Fragen würden sich zur Gewässerökologie ergeben, fügt Dagostin hinzu. Aus gewässerökologischer Sicht, so die Gutachter, sind mit dem Vorhaben nämlich geringe bis starke Beeinträchtigungen für Klein- und Kleinstgewässer sowie deren pflanzliche und zoologische Lebewelt gegeben, „welche über Ausgleichsmaßnahmen auf ein verträgliches Maß kompensiert werden müssen“.

Der dauerhafte „Verlust bzw. die Zerstörung“ zahlreicher Lebensräume und Arten im betroffenen hochalpinen Gebiet ruft einmal mehr die Umweltorganisation WWF auf den Plan. Der WWF fordert die schwarz-grüne Landesregierung als zuständige UVP-Behörde erneut auf, die Notbremse im Umweltverfahren zu ziehen. „In einer derart sensiblen Gebirgslandschaft kann ein überdimensioniertes Megaprojekt wie Pitztal-Ötztal niemals naturverträglich und genehmigungsfähig sein“, so Josef Schrank vom WWF.

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Die Alternativenprüfung zur Gletscherehe mit drei Seilbahnen und 64 Hektar Pisten wirft ebenfalls Fragen auf. Die Grünen drängen auf eine Reduzierung des Vorhabens auf eine Überspannung (Seilbahnverbindung). Von den UVP-Prüfgutachtern wird hierzu das Fehlen einer vertiefenden Auseinandersetzung mit der Variante „reine Überspannung“ bemängelt. Allerdings: „Eine Verbesserung der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung inklusive Tourismus ist vor allem hinsichtlich der beantragten Variante zu sehen, da sie aus Sicht der Betreiber die wirtschaftlich sinnvollste Variante darstellt“, heißt es weiters.


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