Kunsthalle Tirol: Kulturpolitisches Andockmanöver

Die Neu-Organisation der Kunsthalle Tirol verzögert sich. Die Museen sollen kaufmännisch das Sagen haben.

2016 präsentierte Kulturlandesrätin Beate Palfrader (links) Nina Tabassomi als neue Leiterin der Kunsthalle Tirol. Deren künftige organisatorische Ausrichtung sorgt nun für Gesprächsstoff zwischen den beiden.
© Land Tirol/Sax

Von Markus Schramek

Innsbruck –Ein halbes Jahr ist ins Land gezogen, seit der Prüfbericht des Landesrechnungshofes (LRH) über die Kunsthalle Tirol im Taxispalais, eine Galerie für modern­e Kunst im Eigentum des Landes, an die Öffentlichkeit durchsickerte. Mit brisantem Lesestoff wie diesem: geringe Erlöse, 74 Prozent Gratis­eintritte, ein Zuschussbedarf des Landes von im Schnitt rund 730.000 Euro jährlich.

Das Land möge eine Entscheidung über die künftige Strategie der Kunsthalle Tirol treffen, drängten die LRH-Prüfer. Die schon 2006 angedachte Eingliederung der Galerie in die Tiroler Landesmuseen Betriebs GmbH wurde vom LRH erneut als „möglich“ in den Raum gestellt – und von Kulturlandesrätin Beate Palfrader (VP) auch gutgeheißen. Offen blieb jedoch, wie diese Eingliederung vonstatten gehen soll, rechtlich, technisch und personell.

Auch zum Jahresende gibt es mehr Fragen als Antworten. „Es werden verschiedene Varianten geprüft“, umschreibt Landesrätin Palfrader den Stand der Dinge. Nächstes Jahr werde entschieden, welche Variante umgesetzt wird.

Palfrader will von einer „Eingliederung“ nicht mehr sprechen: „Das klingt mir zu negativ.“ Ihr Ziel sei es, die Kunsthalle Tirol „durch eine gemeinsame kaufmännische Geschäftsführung an die Landesmuseen anzudocken“.

Als mustergültige Vorlage aus der Praxis nennt Palfrader die Festwochen der Alten Musik. Diese wurden, nach anfänglichen Widerständen, im Jahr 2016 als Tochtergesellschaft in die Tiroler Landestheater GmbH übernommen.

Die Festwochen werden seither von Markus Lutz kaufmännisch geleitet, der auch für die finanziellen Belange des Landestheaters verantwortlich zeichnet. Für das Festwochenprogramm ist aber einzig Intendant Alessandro De Marchi zuständig.

„Diese Aufgabenteilung funktioniert bestens und soll auch bei der Kunsthalle so praktiziert werden“, sagt Palfrade­r. Nina Tabassomi soll als Direktorin der Kunsthall­e in künstlerischer Hinsicht weiterhin das Sagen haben. Palfrader: „Frau Tabassomi hat mein Vertrauen, sie macht ihre Sache sehr gut.“

In budgetären Fragen könnte in der Kunsthalle hingegen künftig jemand anderer die Richtung vorgeben: der neue Museumschef Pete­r Assmann. Er hatte schon beim Amtsantritt im November gegenüber der TT erklärt, dass er in dieser Frage „sicher nicht der Dränger“ sei. Wenn er für die Kunsthalle Verantwortung übernehme, wolle er aber schon wissen, welche Ausstellungen geplant seien. „Das hat ja alles finanzielle Folgen“, so Assmann.

Und was sagt Nina Tabassomi selbst zur immer wieder aufflackernden Debatte über die mögliche Beschneidung ihrer Kompetenzen? Die Kunsthallen-Chefin gibt sich diplomatisch zurückhaltend. „Es geht nicht um mich als Person“, betont Tabassomi, deren Vertrag noch zwei Jahre läuft. „Es geht darum, die Vielfalt der Gegenwartskunst in Innsbruck zu erhalten.“ Sie sei von Landesrätin Palfrade­r in die Gespräche über die Zukunft der Taxis-Galerie eingebunden. „Und diesen Gesprächen sehe ich sehr zuversichtlich entgegen.“

Die organisatorische Neuausrichtung der Kunsthalle Tirol wird den politischen und den Kulturbetrieb wohl noch eine Weile beschäftigen.


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