Kuh in Matrei erschossen: Cobra verteidigt sich gegen Kritik

Tierschutz und Jägerschaft üben scharfe Kritik an der Polizei-Eliteeinheit. Die Cobra selbst verteidigt ihr Vorgehen gegen eine entlaufene Kuh.

Die Kuh verhielt sich laut der Polizei aggressiv und musste deshalb getötet werden.
© ZOOM.TIROL

Von Nikolaus Paumgartten

Matrei a. Brenner – Der von Augenzeugen auf Video festgehaltene Einsatz der Polizei-Eliteeinheit Cobra am Mittwoch in Matrei am Brenner stößt weiter auf Unverständnis. Vor allem in den sozialen Netzwerken fällt die Kritik an den Beamten heftig aus. Diese hatten, wie berichtet, mehrere Schüsse benötigt, um eine ausgebüxte Kuh zur Strecke zu bringen.

Armin Gatt, Berufsjäger und Obmann der Nachsuche­station (für angeschossenes Wild, Anm.) Innsbruck-Land

Stadt wurde zufällig Augenzeuge des Geschehens. Auch er kritisiert das Vorgehen: „Auf dem Video hört man fünf Schüsse, ich habe aber neun gezählt. Wenn das einem Jäger passiert, gibt es ein Riesentheater.“ Für ein Tier dieser Größe benötige man nicht nur die passende Waffe, sondern auch die richtige Munition. Jagdmunition sei im Gegensatz zu der von der Polizei verwendeten so beschaffen, dass sie nach dem Eintritt eine enorme zerstörerische Wirkung hat, um das Tier schnell zu töten. „Dazu kommt, dass die Schüsse auf den Körper abgegeben wurden. Ein gezielter Schuss von vorne in den Kopf hätte dem Tier viel Leid erspart“, so Gatt. Dass die Polizei mit einem Hubschrauber angerückt ist, habe zudem sicher nicht zur Beruhigung des Tieres beigetragen.

Die Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ spricht von „Wildwest-Methoden“ und einem „Armutszeugnis, dass sich die Beamten nicht anders zu helfen wissen, als ein Tier, das offensichtlich in Panik, aber weit weg und daher nicht gefährlich war, mit acht Schüssen regelrecht hinzurichten“. Von einem aggressiven Tier zu sprechen, setze dem Ganzen die Krone auf.

TT-ePaper testen und eine von drei Cookit Küchenmaschinen gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Tatsächlich macht die Kuh auf dem Internet-Video einen ruhigen Eindruck. „Dass man zuvor aber zigmal versucht hat, das Tier einzufangen und die Kuh zigmal Menschen angegriffen hat, sieht man nicht“, sagt Harald Gonner, Kommandant der Einheit Cobra-West. Er verteidigt den Einsatz, bei dem sieben Schüsse abgegeben worden seien. Dabei habe man aus Rücksicht auf das Umfeld sicher nicht den idealen Winkel zum Tier gehabt, räumt er ein. Der Einsatz der Schusswaffe sei jedoch alternativlos gewesen und in Rücksprache mit dem Tierarzt und dem Besitzer erfolgt. Außerdem komme bei der Cobra bei Bedarf auch Munition zum Einsatz, die nicht polizeitypisch ist, entgegnet Gonner dem Vorwurf, die falsche Munition eingesetzt zu haben.


Kommentieren


Schlagworte