Die gute Geschichte: Filzhühner für Lamas

Kinder der Volksschule Innsbruck Innere Stadt haben im Religionsunterricht ihr Geschick für Handarbeit unter Beweis gestellt und für den guten Zweck gebastelt.

Beate Spöck, Magdalena Wiesmüller, Gertrud Geissler und Regula Imhof (v. l.) mit vier von den Kindern gebastelten Filzhühnern. Am Verkaufsstand herrschte reges Gedränge.
© BSIN

Innsbruck –Rund 10.000 Kilometer trennen Österreich vom lateinamerikanischen Kontinent, eine schier unüberbrückbare Distanz. Doch an einem Schulvormittag im Frühling ist den Schülerinnen und Schülern der Volksschule Innere Stadt das andine Hochland so nah und vertraut wie nie. Zwei kuschelige Stoff-Lamas schauen aus einer buntgewebten Tasche und dürfen gestreichelt werden. „Da haben sich wohl zwei kleine Lamas in meine Tasche geschwindelt, als ich von Bolivien nach Innsbruck geflogen bin“, meint Magdalena Wiesmüller augenzwinkernd. Sie arbeitet seit vielen Jahren als Projektreferentin bei Bruder und Schwester in Not und erzählt den Kindern vom kargen Hochland Boliviens, „das ein bisschen so aussieht wie die Berge bei uns“, von den Menschen vor Ort und deren Nutztieren, den Lamas. Die Kinder hören aufmerksam zu, stellen Fragen, können kaum glauben, dass Schule gehen in Bolivien ein Privileg ist und dass Lamas eigentlich nur sehr selten spucken.

Das Interesse für Menschen in anderen Lebenswelten ist bei den Schülerinnen und Schülern schnell geweckt – genauso wie die Motivation ebendiesen Menschen, die in Armut leben, zu helfen. Den Religionspädagoginnen der Volksschule, Beate Spöck und Gertrud Geissler, war diese interkulturelle Begegnung ein ganz besonderes Anliegen: „Wir wollten den Kindern aufzeigen, dass Empathie und schon kleine Gesten der Nächstenliebe unseren Mitmenschen helfen können.“

So wurde der Religionsunterricht zur Bastelwerkstatt: Die Volksschulkinder, alle im Alter zwischen sechs und zehn Jahren, bastelten mit viel Freude kleine „gackernde Hühner“ aus buntem Filz – ein jedes liebevoll und individuell nach der Vorstellung seines Schöpfers gestaltet. Nach dem Vorstellungsgottesdienst der Erstkommunionskinder im Dom zu St. Jakob in Innsbruck konnten die dekorativen Filzhühner gegen eine Spende mit nach Hause genommen werden. Am Verkaufsstand am Innsbrucker Domplatz herrschte reges Gedränge – zur Freude aller Mitwirkenden. Auch im Biobauernladen Natters konnten die guten Stücke unter dem Motto „Hühner für Lamas“ erstanden werden, dank des Engagements der dortigen Betreiber/innen und der Biolandwirtin Regula Imhof.

Den Gesamterlös der Benefizaktion spendete die Volksschule Innere Stadt als Solidaritätsbeitrag der Stiftung Bruder und Schwester in Not. Im Hauptprojekt der heurigen Adventsammlung werden indigene Familien bei der kleinbäuerlichen Haltung von Lamas im Hochland von Bolivien unterstützt.

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„Es liegt uns am Herzen, den Kindern an der Schule zu zeigen, dass sich unsere Welt im Ungleichgewicht befindet. Jeder Einzelne kann etwas dazu beitragen, um diesem Ungleichgewicht entgegenzuwirken“, fassen die engagierten Religionslehrerinnen ihren Einsatz in Worte. Von der Nordkette bis zu den Anden in Bolivien – Solidarität und Nächstenliebe kennen keine Grenzen. (TT)


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