Reuttener Bürgermeister schieben Beschluss zu Heimfrage auf

Die 37 Außerferner Bürgermeister wollen bessere Unterlagen als bereitgestellt. So könne eine Millionenentscheidung in der Pflegeheimfrage nicht getroffen werden. Neuer Anlauf im Februar.

Die Wartezeit für die Aufnahme im Reuttener Haus zum Guten Hirten beträgt aktuell 15 Monate.
© Mittermayr Helmut

Von Helmut Mittermayr

Reutte –Die Zahl der Wartenden geht in die Hunderte. Die Wartezeit beträgt inzwischen 15 Monate – nämlich darauf, als Pflegefall in einem der beiden Außerferner Heime einen Platz zu finden. Den Bürgermeistern ist der Ernst der Lage bewusst. Seit Längerem diskutieren sie Ausbauvarianten. Paul Barbist, Leiter des Guten Hirten in Reutte, erklärt dazu, dass die Wartezeit in nur einem Jahr von zwölf auf nunmehr 15 Monate gestiegen ist. „Die nächste Person, die bei uns ein freiwerdendes Bett erhalten wird, wurde am 20. August 2018 angemeldet.“

Bei der Vollversammlung des Pflegeverbandes mit allen 37 Bürgermeistern des Bezirkes am vergangenen Mittwoch stand der Punkt Beschlussfassung auf der Tagesordnung. Eine Entscheidung über eine von drei Optionen sollte endlich gefällt werden: entweder Aufstockung des Bezirkspflegeheimes Haus Ehrenberg beim Krankenhaus, Erweiterung des Guten Hirten in Reutte oder vollkommener Neubau eines 60-Betten-Hauses im Sintwag auf Höhe Krankenpflegeschule. Zum Beschluss kam es nicht, wie Reuttes Bürgermeister Alois Oberer seinen Mandataren in der Gemeinderatssitzung Donnerstagabend mitteilte. „Denn die Grundlagen für einen Beschluss in der Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages fehlten völlig. Die Vorbereitung war dilettantisch“, sagte Oberer. Er habe die Bürgermeister überzeugen können, dass bei einer weiteren außerordentlichen Vollversammlung alle Fakten auf den Tisch müssten.

Zwei Wochen zuvor war zwar der zehnköpfige Ausschuss über die Expertise eines Facharchitekten detailreich informiert worden, der Vollversammlung der Bürgermeister konnte aber angeblich nicht einmal eine Kostenschätzung zu den verschiedenen Bauvarianten präsentiert werden.

Nun wird im Februar alles neu aufgerollt, der angesprochene Architekt wird dann auch anwesend sein. GV Elisabeth Schuster brachte die erneute Verzögerung schier aus der Fassung. „Wieder drei Monate Verlust in einer so wichtigen Frage.“ Die Sozialausschussobfrau dankte Reuttes Marktchef für sein Engagement, fuhr aber mit anderen Bürgermeistern ums Eck: „Einige haben keine Ahnung, wie dringend die ganze Angelegenheit ist. Was sich für Härtefälle abspielen. Das ganze Jahr sieht man sie nicht und dann kommen sie vor Weihnachten auf fünf Minuten mit einem Fläschchen Wein vorbei und reden gscheit daher.“

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Nicht gut Kirschen essen ist in dieser Frage auch mit Oberer selbst. In der Reuttener Gemeinderatssitzung merkte er an, dass es einen Bürgermeister gebe, der erkläre, dass ein weiterer Heimbau nicht notwendig sei, „nachdem er jetzt seine eigene Mutter gut untergebracht hat“. In den Talschaften sei der Druck, weitere stationäre Betten anzubieten, nicht so ausgeprägt zu spüren, argumentieren manche, gerade im Talkessel Reutte sei er aber enorm.

Lechaschaus Altbürgermeister Aurel Schmidhofer, Obmann des Pflege- und Krankenhausverbandes, räumt in seiner Stellungnahme ein, dass sich die Bürgermeister selbstverständlich detailliertere Informationen erwarten hätten können, als er vorgelegt habe. „Aber alles ist viel komplizierter als dargestellt, denn die nun neu aufgetauchte dritte Variante mit Neubau Sintwag ist ja erst in der letzten Ausschusssitzung Ende November erstmals aufgekommen.“ Der mögliche Ausbau der Krankenpflege­schule sei Auslöser dafür. Zu so einem Projekt gebe es selbstverständlich weder Pläne noch Kostenschätzungen, die er präsentieren hätte können. Dies sei auch bis Februar nur schwer zu bewerkstelligen, aber er bemühe sich. „Eigentlich müsste der Ausschuss sagen, was er will, bevor alles der Vollversammlung vorgelegt wird.“ Mehr Nähe zur Medizin oder mehr gesellschaftliches Umfeld mitten im Ort Reutte? Für Schmid- hofer alles offene Fragen.


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