„American Idiot“ in Innsbruck: Punkrock-Party ohne Rebellion

Das Musical „Green Day ́s American Idiot“, das mit der Musik des gleichnamigen Konzeptalbums der amerikanischen Punkrock-Band arbeitet, hat am Donnerstag am Innsbrucker Landestheater seine Premiere gefeiert. Die um die Lieder herum gestrickte Geschichte erzählt vom Ausbruch von Jugendlichen aus der amerikanischen Provinz. Von der thematisierten Auflehnung war jedoch am Abend wenig zu spüren.

Punk hat allgemein den Ruf laut, unangepasst und roh zu sein. Eigentlich also eine optimale Ausgangslage, um damit Rebellion und Träumen zu untermalen, die sich nicht in Einklang mit dem vertrauten und spießigen Umfeld der eigenen Heimatstadt bringen lassen. Eigentlich, denn die Musik von Green Day geriet in Innsbruck unter der Musik-Schirmherrschaft der deutschen Band Vanden Plas zu einem Schatten ihrer ursprünglichen Schlagkraft und die Rebellions-Story zu einem Sturm im Wasserglas.

Allzu brav agierte nämlich insgesamt die durchaus mit Musikalität punktende Live-Band, während sich die jungen Protagonisten auf der Bühne die Seele aus dem Leib sangen und mit tänzerischen Qualitäten zu überzeugen wussten. Das führte zu einer Text-Musik-Schere. Während auf der Textebene Ausbruch und Auflehnung zur Sprache kamen, wirkte die Musik meist so behäbig, dass sie den Eindruck vermittelte, als glaube das Stück selbst nicht an die Möglichkeit eines besseren und wilderen Lebens anderswo, abseits der Behäbigkeit von amerikanischen Kleinstädten.

Die Energie des engagierten jungen Ensembles verpuffte damit zu oft, nur einzelne Gesangspassagen ließen tatsächliche Wut und die ungezügelte Energie der Jugend aufblitzen. Die an sich gut gemeinte Einarbeitung des Vanden Plas Sänger Andy Kuntz als St. Jimmy in das Stück, der gesanglich auch tatsächlich stark war, konterkarierte zudem die Wirkung dieser Passagen mit seiner maskulinen Stimme und zu viel Rock-Pathos.

Alles in allem geriert des Musical, bei dem Landestheater-Chef Johannes Reitmeier selbst die Regie in die Hand nahm, zu einer eher zahmen Punkrock-Party, die sogar trotz der kurzen Spieldauer von rund 100 Minuten nicht ohne Längen auskam. Die Story um Johnny, Tunny und Will, die letztlich scheitern und wieder in ihre Heimatstadt zurückkehren, erlaubte wenig Platz für Identifikation und Mitgefühl. Dominant war vielmehr das Gefühl, jungen und talentierten Menschen auf der Bühne beim Scheitern des Versuches zuzusehen, das im Jahr 2004 authentische Punk-Feeling von „American Idiot“ wiederzubeleben.

Das an diesem Abend ungewöhnlich junge Publikum quittierte die Performance allerdings mit euphorischem Applaus, der schließlich zu Steh-Ovationen eines sehr großen Teiles der Anwesenden führte. Ensemble und Band ließen sich dadurch bedingt auch zu einer Zugabe hinreißen, in der einige der bekanntesten Stücke des Musicals noch einmal kurz angespielt und tänzerisch ergänzt wurden.


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