Harmonie als Weihnachtswunsch

Eine blitzblanke Trompete und Camille Saint-Saëns „Oratorio de Noël“ im Symphoniekonzert.

Die junge französische Trompeterin Lucienne Renaudin Vary nach ihrem Auftritt im Innsbrucker Congress.
© Chó

Von Ursula Strohal

Innsbruck –Als Vorhut zur konzertanten Landestheater-Aufführung seiner Oper „Samson und Dalila“ nächstes Wochenende war es eine sinnstiftende Idee, im Dezember-Konzert des Tiroler Symphonieorchesters Innsbruck Camille Saint-Saëns’ „Oratorio de Noël“ anzusetzen. Das kurze Werk des 23-jährigen Franzosen, 1858 auf ein selbst zusammengestelltes Libretto verfasst, wurde von Marie Jacquot einstudiert, einer aufstrebenden Dirigentin, derzeit Erste Kapellmeisterin an der Deutschen Oper am Rhein. In ihrer deutlichen, ensembleumfassenden, selten ausufernden Zeichengebung bleibt sie sachbezogen und stellt dennoch Stimmung her. So wurde am Donnerstag aus der mit Psalm- und Evangeliumszitaten durchsetzten fragmentarischen lukanischen Weihnachtsgeschichte ein warmes, weiches Stück französische Hochromantik.

Jacquots klare Vermittlung fern von süßlichem Weihnachtskitsch, die aber den Instrumentalisten die Möglichkeit gab, ihrem Klangcharakter gemäß auszumusizieren, erbrachte Gläubigkeit ohne sakralen Druck, zartes Licht und Leichtigkeit. Die Streicher waren um klangliche und melodische Eleganz bemüht, Hannes Christian Hadwiger lieferte an der Orgel bei gewahrtem Gleichgewicht die pastoral nötige und auch im übrigen Zusammenhang angemessene Farbigkeit, Francesca Miglierina legt mit irdischem Nachdruck die Hände an ihr­e Harfe. Der große Chor des Tiroler Landestheaters blieb auch im „Quare fremerunt gentes“, dem einzigen dramatischen Satz des Oratoriums, geschmackvoll. Anja Schlosser stellte ihre Alt-Qualitäten heraus, Camilla Lehmeiers lyrischer Mezzosopran passte präzise in die Komposition, Felicitas Fuchs-Wittekindts zarter Sopran sparte passend mit Vibrato. Jon Jurgens Tenor funkelte gezügelt, seriös Alec Avedissians Bariton. Harmonie als Weihnachtswunsch.

Saint-Saëns stand der Musik von Bach und der Wiener Klassik nahe und so passte, auch als Kontrast, Joseph Haydns berühmtes Trompetenkonzert in Es-Dur als Eröffnungsstück. Dirigentin und Orchester hielten der Solistin den Weg frei und da war die blutjunge Lucienne Renaudin Vary eine Entdeckung. Hoch musikalisch, mit lichtem, wunderschönem Ton und weicher Melodie ging sie an Haydn heran, um dann in der Zugabe dunkler und süffig zu zeigen, welch famose Jazzerin sie auch ist.


Kommentieren


Schlagworte