Volkswagen setzt Produktion in Algerien wegen politischer Krise aus

Indessen schiebt Volkswagen die Entscheidung über den Bau eines neuen Mehrmarken-Werks in der Türkei weiter hinaus.

Symbolfoto.
© Reuters

Wolfsburg – Aufgrund der politischen Krise in Algerien hat Volkswagen die Produktion in dem nordafrikanischen Land vorerst ausgesetzt. Auch Lieferungen an den offiziellen Partner im Land, Sovac, seien ausgesetzt, teilte Volkswagen auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Hintergrund sind Korruptionsermittlungen der algerischen Justiz unter anderem gegen den Geschäftsführer von Sovac, Mourad Oulmi. Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Volkswagen AG seien dem Unternehmen nicht bekannt.

Sovac ist seit zehn Jahren der offizielle Partner von Volkswagen im flächenmäßig größten afrikanischen Land. Seit 2016 betreibt der deutsche Autokonzern in einem gemeinsamen Joint Venture ein Montagewerk in Algerien, in dem im vergangenen Jahr etwa 50.000 Fahrzeuge montiert wurden.

Algerien befindet sich zur Zeit in einer tiefen politischen Krise. Seit Februar kommt es zu Massenprotesten gegen die politische Führung. Am Donnerstag waren 24,5 Millionen Algerier aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen. Die Wahl wurde von Massenprotesten und Ausschreitungen begleitet. Die Demonstranten werfen der Machtelite um das Militär und den zurückgetretenen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika vor, die Wahl zu manipulieren. In den vergangenen Wochen und Monaten hatte es eine massive Verhaftungswelle von Aktivisten und Wirtschaftseliten gegeben. Wenige Tage vor der Wahl waren auch mehrere frühere Minister wegen Korruption zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Noch keine Entscheidung über Werk in der Türkei

Unterdessen schiebt Volkswagen die Entscheidung über den Bau eines neuen Mehrmarken-Werks in der Türkei weiter hinaus. Man werde sich voraussichtlich nicht vor Februar festlegen, sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag. Volkswagen hatte die Milliarden-Investition nach der türkischen Militäroffensive im angrenzenden Syrien im Herbst auf Eis gelegt und wollte zunächst bis Jahresende abwarten. Dabei kündigte der Konzern bereits an, keinen alternativen Standort zu suchen. Die vorhandenen Kapazitäten reichten vorerst aus, um über die Runden zu kommen. Auch die „Automobilwoche“ hatte über eine Verzögerung der Entscheidung berichtet.

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Laut Insidern soll für rund eine Milliarde Euro in Manisa nahe Izmir in Westanatolien ein Werk mit einer geplanten Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen und rund 4.000 Beschäftigten entstehen. Ende 2020 sollte mit dem Bau begonnen werden, der Produktionsstart wäre für 2022 vorgesehen. Vom Band laufen sollen dort der VW Passat und der baugleiche Skoda Superb mit Verbrennungsmotoren. Die bisherigen Fertigungsstandorte dieser Modelle, Emden und Kvasiny, sollen neue Modelle produzieren - Emden wird auf E-Autos umgestellt, das tschechische Skoda-Werk soll künftig SUV bauen. (APA, dpa, Reuters)


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