Starlinger bei Mali-Besuch: „Können keine Österreicher evakuieren“

Während seiner Visite in Mali diese Woche, wo auch österreichische Soldaten auf Trainingsmission sind, hat Minister Starlinger wieder mit drastischen Worten vor Budgetnot im Bundesheer gewarnt.

Heeresminister Thomas Starlinger besuchte österreichische Soldaten im Trainingscamp Koulikoro nahe der Hauptstadt Bamako.Foto: PAO/EUTM-Mali

Von Serdar Sahin

Bamako –Verteidigungsminister Thomas Starlinger warnt regelmäßig mit drastischen Worten vor Budgetnot im Bundesheer. Während seiner Visite in Mali diese Woche, wo auch österreichische Soldaten auf Trainingsmission sind, hat Starlinger das wieder getan. Der Minister will nicht über das „Nulldefizit“ reden, sondern über „die Wiedergewährleistung der Sicherheit der Österreicher“. Was meint er damit? Als Beispiel nennt Starlinger die Flugzeuge. Die Hercules-Transporter sind 50 Jahre alt und entsprechend anfällig. Die Saab 105-Jets sind am Boden und müssen bald endgültig abgestellt werden.

„Wir sind derzeit nicht in der Lage, Österreicher aus Krisenländern zu evakuieren, weil uns das Transportmittel fehlt.“ Kürzlich habe man gesehen, dass man sich nicht auf die Flugzeuge verlassen könne, sagt Starlinger. Er musste im Auto von einem Truppenbesuch am Westbalkan nach Wien zurückkehren, weil die Hercules liegen geblieben war. „Ich kann nicht das Flugzeug irgendwo hinschicken, und wenn wir Glück haben, startet es, wenn wir Pech haben, bleibt es stehen. Der Transport mit dem Bus geht vielleicht aus Sarajevo, aus irgendeinem afrikanischen Land aber nicht mehr. Damit ist jetzt schon die Sicherheit der Österreicher nicht gewährleistet.“

38 österreichische Soldaten sind derzeit im Rahmen der EU-Trainingsmission für malische Streitkräfte (EUTM) in dem westafrikanischen Land. Warum ist es wichtig, sich in Mali zu engagieren? Neben ethnischen Konflikten kämpft das Land gegen Jihadisten. „Der Radikalismus dort muss vehement bekämpft werden“, konstatiert Starlinger. Sonst könnte das zu einem Pulverfass werden, dessen Auswirkungen „letztendlich wir in Europa spüren“. Nämlich, dass die „Migration angefeuert wird und, wenn sich religiös gesteuerter Terrorismus ausbreitet, das nicht in der Region verbleibt, sondern zu Anschlägen in Europa führen könnte – wie bei der Terror­miliz IS“.

16 Milliarden Euro zusätzlich brauche das Bundesheer in den kommenden zehn Jahren, lautet Starlingers Befund. „Wenn wir das Geld bekommen, können wir unser Auslandsengagement aufrechterhalten. Unsere Soldaten brauchen entsprechende Fahrzeuge und Ausrüstung, um in solchen Regionen eingesetzt werden zu können.“ Sonst könne man nicht verantworten, die Soldaten in den Einsatz zu schicken.

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