Chiara Mair über das härteste Rennen: „Es ist nicht alles Spaß“

Himmel und Hölle: ÖSV-Läuferin Chiara Mair sprach vor dem Parallel-Slalom (Sonntag, 9.30 Uhr) offen über ihre Gefühle.

© gepa walgram

St. Moritz –Chiara Mair lächelt, dann wird sie überraschend plötzlich ernst: „Ganz ehrlich, es ist im Leben nicht immer alles so einfach, wie es vielleicht aussieht.“ Zuletzt hatte die Götznerin mit einem zwölften Platz beim Slalom in Killington ihr bislang bestes Weltcupergebnis eingefahren und dafür Gratulationen von vielen Seiten bekommen. „Kaum einer weiß aber, dass ich am Start stand und nicht klar war, ob ich überhaupt fahren kann“, beschreibt die 23-Jährige und spricht sogar vom härtesten Rennen ihres Lebens.

Die Knie schmerzten von einer frischen Verletzung, ihr Kopf wieder einmal von ihrer alten Blessur: Bei einem Sturz vor einem Jahr hatte Mair ein Schleudertrauma erlitten, ein Halswirbel war verschoben, der auf Nerven sowie Hauptschlagader gedrückt hatte. Die Nachwirkungen waren heftig: „Ich konnte wochenlang nur im Dunkeln liegen, selbst fernsehen war zu anstrengend“, erzählt die Tirolerin. Vorsichtig hat sie es dann mit Training und Rennen wieder probiert, aber nach einem Einsatz sei sie wieder flachgelegen, habe doppelt gesehen, „Autofahren war unmöglich“, und sie sei immer wieder plötzlich eingeschlafen. „Schwierig war für mich auch, dass ich mich nicht ernst genommen gefühlt habe. Wenn Blut rinnt oder Knochen brechen, ist es für alle ersichtlich, meine Verletzung war es allerdings nicht.“ In der Zwischenzeit gehe es ihr wieder gut, nur manchmal habe sie noch starke Kopfschmerzen, wie eben am Start in Killington.

„Ich habe mich krank gefühlt, und dass ich ohn­e ein gutes Ergebnis aus den Top 30 falle, belastet­e zusätzlich“, beschreibt Mair, wie sie unter Tränen mit ihrem Trainer und auch ihrer Mutter gesprochen habe. „Ich sagte mir dann: Lass dich nicht unterkriegen, selbst wenn du jeden Grund dazu hast, lass dich nicht unterkriegen.“ Und sie startete, spürte aber nur Schmerzen und dachte sogar daran auszusteigen. „Irgendetwas Magisches, Kraftvolles hat mich dennoch nicht gelassen.“ Sie schaffte das für sie „Unglaubliche“, ihr bislang bestes Weltcup­ergebnis.

Mair lächelt wieder. Zuletzt hatte die zweifache Junioren-WM-Dritte von 2017 davon im soziale­n Netzwerk Instagram geschrieben: „Ich wollte einfach mal loswerden, dass nicht alles Gold ist, was glänzt.“ Es gab viele Reaktionen. Einige Bekannte seien überrascht gewesen. „Jeder sieht ja immer nur das Lachen und nicht wie das Leben wirklich ist – vor allem in den sozialen Netzwerken“, kritisiert Mair. Der Tiefpunkt und das folgende Hoch würden ihr jedenfalls viel Auftrieb geben: „Ich glaube, ich wäre jetzt nicht so gut drauf, wenn es die schlechten Zeiten nicht gegeben hätte.“

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So ist sie auch zuversichtlich für das heutige Parallel-Rennen in St. Moritz, auf das man sich zuletzt im Kühtai vorbereitet hat: „Es ist ein cooles Event, was ganz anderes. Es müsse­n zwar viele Sachen zusammenstimmen, aber mir taugt dieses Format sehr.“ (sab)


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