Humperdincks „Königskinder“ als düsteres Märchen in Graz

Üblicherweise spielen Opernhäuser vor Weihnachten Engelbert Humperdincks „Hänsel und Gretel“ - in Graz hat man sich entschieden, am Samstag nach Jahrzehnten wieder einmal seine „Königskinder“ zu zeigen. Mit großem Erfolg für die Sänger, die die wagnerähnlichen Partien mit Bravour meisterten, aber auch für das Regieteam um Frank Hilbrich, das für seine kalte Märchenwelt viel Applaus erntete.

Die Gänsemagd und der Königssohn verlieben sich, gehen gemeinsam weg, irren umher, bis sie an vergiftetem Brot sterben. Kein Happy End, kein romantikumflorter Liebestod steht am Ende von Humperdincks Werk, das sich als einzige seiner Opern neben „Hänsel und Gretel“ auf den Bühnen behaupten konnte. Die Geschichte ist todtraurig, da bleibt kein Hoffnungsschimmer. Der Komponist und seine Librettistin Elsa Bernstein-Porges (unter dem Pseudonym Ernst Rosmer) schufen eine Welt, in der das Reine ebenso zerstört wird wie die Hexe - niemand außerhalb der dumpfen, egoistischen Norm bekommt eine Chance.

Regisseur Hilbrich wählte eine weiße Bühne (Volker Thiele), auf der die Fototapete „Herbstwald“ heruntergelassen wird und für Naturstimmung sorgen soll. So wie die bunten Blätter, in denen sich die Gänsemagd regelrecht eingräbt, und in denen das Liebespaar zunächst lustig herumkugelt. Später wird sich der weiße Raum stark nach hinten verjüngen und eine eisige, erbarmungslose Winterwelt suggerieren.

Die Hexe - hier eine verzerrte Figur wie aus einem Stummfilm - will das Mädchen im Wald bewahren. Einsperren oder doch eher schützen, das fragt man sich schon bald. Bei den Bürgern in der Stadt - hier feiste Gestalten in Fatsuits (Kostüme: Gabriele Rupprecht) - ist es eher schlechter, sie sind egoistische und erkennen die Königskinder nicht. Bleibt noch der Spielmann, ein Mischung aus Narr und weisem Mann, der hier vergeblich um Profil kämpft. Dem coolen Typ in hautenger Stretchhose und über die Augen hängendem Haar nimmt man sein Mitgefühl nicht wirklich ab.

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Das liegt weniger an Markus Butter, der sich müht, der Figur Farbe zu verleihen, als an der Regie, die sich nicht recht entscheiden kann - und vor allem an Dirigent Marius Burkert, der Butter immer wieder in dröhnender Lautstärke versinken lässt. Burkerts Stabführung ist insgesamt eher zupackend als feinsinnig, was durchaus effektvoll, aber eben nicht immer zielführend ist. Entsprechend geben sich die Grazer Philharmoniker vor allem gewaltig, aber in den Details nicht immer präzise.

Dafür glänzte das Liebespaar stimmlich und darstellerisch: Polina Pastirchak war eine lebendige, quirlige Gänsemagd mit leuchtendem Sopran und mitreißendem Spiel, Maximilian Schmitt gestaltete den Königssohn berührend und überzeugte mit biegsamer, starker Stimme, die im Laufe des Abend immer strahlender wurde. Die Hexe von Christina Baader war keine böse Alte, sondern eine gequälte Gestalt, die um ihre Macht fürchtet - oder einfach zu viel über die Welt da draußen weiß. Wilfried Zelinka (Holzhacker), Martin Fournier (Besenbinder) und Anna Brull (Wirtstochter) ergänzten das hervorragende Ensemble.


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