Premiere am Podest: Gritsch überraschte nicht nur sich selbst

Ein langer Tag mit einem strahlenden Ende: Die Tirolerin Franziska Gritsch schaffte beim Parallel-Slalom in St. Moritz ihr erstes Podium – hinter Petra Vlhova und Anna Swenn-Larsson. Zeit zum Feiern blieb aber nicht.

Franziska Gritsch strahlte mit der Sonne in St. Moritz um die Wette.
© gepa

Aus St. Moritz: Sabine Hochschwarzer

St. Moritz – Knappe zehn Stunden, nachdem der Wecker Franziska Gritsch in St. Moritz aus dem Schlaf geholt hatte, stand sie im Ziel und strahlte mit der Sonne über dem Maloja­pass: „Es ist noch ziemlich unreal für mich. Ich muss das alles erst ein bisschen sacken lassen. Es ist einfach mega“, sprudelte es aus der Tirolerin heraus. Die 22-Jährige war beim Parallel-Slalom wenige Minuten zuvor erstmals auf das Weltcup-Podest gefahren.

Dabei hatte der Tag für die ÖSV-Damen weniger gut begonnen: Von den acht Österreicherinnen fielen fünf schon in der Qualifikation raus – darunter auch die Tirolerinnen Eva-Maria Brem und Chiara Mair. Einzig Franziska Gritsch war als Zehnte souverän unter die besten 32 gefahren. „Da habe ich mich schon sehr gut gefühlt“, sagte die Ötztalerin später. Für die weitergekommenen Kolleginnen Katharina Liensberger und Katharina Truppe war nach Hundertstelpech aber im Achtelfinale Endstation, Gritsch hingegen kam weiter: zunächst mit 0,02 (auf Sara Hector), dann mit 0,03 Sekunden Vorsprung auf Marta Bassino.

„Da war das Glück wohl heute auf meiner Seite“, sagte sie lachend. Im Viertelfinale gegen Federica Brignone, Zweite des Super-G am Vortag, schaffte sie einen 1,41-Sekunden-Polster, im Halbfinale kam sie gegen die spätere Zweite Anna Swenn-Larsson (SWE) aber zu Sturz. „Man muss alles riskieren, aber ich bin aufgestanden und habe wieder Gas gegeben, so wie es im normalen Leben auch ist“, freute sie sich nach dem für sich entschiedenen Rennen um Platz drei gegen Meta Horvath (SLO).

Volles Risiko: Im Halbfinale flog Gritsch aus dem Kurs, am Weg zum ersten Stockerlplatz konnte das die Ötztalerin nicht bremsen.
© AFP

Im Finale hatte Petra Vlhov­a indes die Hundertstelsekunden auf ihrer Seite und siegte nach stets souveränen Läufen nur 0,02 Sekunden vor Swenn-Larsson: „Das war ein emotionaler Sieg heute. Ich war so froh, dass die grünen Lichter im Ziel auf meiner Seite aufleuchteten, weil die letzte Zeit nicht gerade einfach war.“ Die 24-Jährige hatte sich in Killington eine Schienbeinprellung zugezogen. Bis kurz vor ihrem Sieg war noch nicht klar, ob die Slowakin morgen beim Riesentorlauf in Courchevel antreten wird können. „Ich muss erst noch abwarten, aber aus jetziger Sicht sage ich, ich fahre.“

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Per Hubschrauber nach Courchevel

Im Vorjahr war Vlhova in St. Moritz nur Mikaela Shiffrin unterlegen, weil der US-Superstar aber gestern ausließ, war eine Revanche unmöglich: „Ich denke, wir werden ein anderes Mal wieder einen guten Kampf haben.“

Zeit zum Feiern blieb niemandem. Direkt nach der Siegerehrung flog die Tirolerin Gritsch mit sieben ÖSV-Kolleginnen per Hubschrauber nach Courchevel ab. Präsident Peter Schröcksnadel, den Gritsch mit ihrem Podium ebenfalls überrascht hatte, erklärte: „Es ist gut und wichtig, dass sie fliegen, auch um Verletzungen zu vermeiden. Aber nicht jeder kann sich einen Hubschrauber leisten. Wir können es.“

Kommentar: Ein paralleles Rennen

Von Sabine Hochschwarzer

Die Verwirrungen um den Parallel-Slalom bleiben groß. Obwohl das Format heuer neu aufgelegt wurde, mit einer Qualifikation vorab, bleiben jedes Mal vor dem Start viele Fragen offen, sogar für die Fahrer selbst. Vielleicht braucht es aber nur noch mehr Rennen dieser Art, um sich an den Modus zu gewöhnen, der dann allerdings nicht immer wieder abgeändert werden sollte. Eines ist ab dieser Saison aber schon klar: Es wird erstmals eine eigene Weltcup-Kugel für diesen Bewerb geben. Einzige Bedingung: Zumindest zwei Rennen müssen ausgetragen werden.

Bei den Damen stehen nach St. Moritz noch Sestriere (19. Jänner) und Aare (13. März) auf dem Plan, bei den Herren mit Alta Badia (23. Dez.) und Chamonix (9. Februar) ohnehin nur zwei. Ob das sinnvoll ist, mag wie bei der Kombination dahingestellt sein. Mikaela Shiffrin bekannte sich jedenfalls nicht dazu: Der US-Superstar, der bereits fünf Parallel-Slaloms gewann, ließ jenen in St. Moritz aus. Auf dem Weg zur einer vierten großen Kugel (Gesamtweltcup) bleibt diese kleine jedenfalls auf der Strecke.


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