Abschusszeit verlängert: Feuer frei im Tbc-Hotspot Kaisers

Die Zeit der Keulungen ganzer Ställe ist vorbei. Seit drei Jahren ist kein Fall mehr von Rinder-Tbc im oberen Lechtal aufgetaucht. Auch beim Rotwild greifen die Maßnahmen — die Tbc-Ausrottung gelingt hier aber nicht.

(Symbolbild)
© Michaela Walch

Lechtal, Innsbruck — Die langjährige Tbc-Bekämpfung beim Rotwild im oberen Lechtal zeigt Erfolg. Südlich des Lechs in den Lechtaler Alpen gibt es aber wieder erheblichen Handlungsbedarf. Um die Erfüllung der behördlich vorgeschriebenen Abschuss­quote mit herkömmlichen jagdlichen Mitteln zu erreichen, wurde nun die Schusszeit in diesem Gebiet ausgedehnt. Erfreulich: Im Lechtal gibt es seit drei Jahren keinen Rinder-Tbc-Fall mehr.

Während in Vorarlberg nach der Sperre eines rinderhaltenden Betriebs im Bezirk Bludenz und in weiterer Folge von zwei Tiroler Betrieben der Ruf nach einer Bekämpfungsstrategie zur Reduktion von Tbc in den Wildbeständen laut wird, arbeitet Tirol bereits seit 2011 intensiv an der Eindämmung von Tbc beim Rotwild im Lechtal. Ziel ist es, durch die Reduktion der Rotwildbestände ein Übergreifen von Tbc auf die Rinderpopulation zu verhindern. Tbc wird laut Land Tirol nachweislich über die Alpung vom Wild auf Nutztiere übertragen und ist als Zoonose mittels Tröpfcheninfektion oder über die Nahrungsaufnahme auch auf den Menschen übertragbar.

„Als wir 2011 mit der Seuchenbekämpfung beim Rotwild im oberen Lechtal begonnen haben, waren in bestimmten Gebieten über 30 Prozent des Rotwildbestands mit Tbc infiziert. Durch die Bekämpfungsmaßnahmen nach dem Tierseuchengesetz konnten wir die Infektionsrate in der Mehrzahl der Reviere aktuell auf unter drei Prozent senken. Lediglich südlich des Lechs im Gebiet Kaisers/Steeg liegen wir noch deutlich darüber (bei acht bis zehn Prozent, Anm.)", zieht Landesveterinärdirektor Josef Kössler Bilanz nach acht Jahren intensiver Anstrengungen von Jägerschaft und Behörden. Im Raum Steeg war der Rotwildbestand mittels eines Reduktionsgatters zeitweise auf null gestellt worden.

Das Ausmaß des Überwachungsgebiets, in dem Mindestabschüsse nicht nach dem Jagdrecht, sondern nach dem Tierseuchenrecht vorgegeben werden, konnte seit einem Höchststand 2014 von 60.000 Hektar auf 35.000 Hektar in den Gemeinden Steeg, Kaisers, Bach, Elbigenalp und Holzgau reduziert werden. „Die Tendenz ist grundsätzlich positiv, aber wir dürfen die Hände nicht in den Schoß legen", setzt Kössler weiter auf konsequente Seuchenbekämpfung. Nichts zu tun, sei keine Option. Es bestehe die Gefahr, dass sich Tbc vom Lechtal aus in Richtung Stanzertal im Bezirk Landeck ausbreitet.

Im Jagdgebiet von Kaisers wurde für das heurige Jahr der Abschuss von 58 Stück Rotwild vorgeschrieben, davon wurden mit Stand 13. Dezember der Behörde 32 Stück vorgelegt, 26 sind noch ausständig. Derzeit wird im betreffenden Jagdrevier intensiv daran gearbeitet, die Abschussquote zu erreichen. Die Schusszeit wurde von der BH Reutte extra verlängert. Sollte dies nicht zum gewünschten Erfolg führen, wird eine Entnahme im bereits errichteten temporären Reduktionsgatter erfolgen. Die Tiere können, einmal im Gatter befindlich, viel leichter geschossen werden. In der Wildfleischproduktion wird die Gatterjagd übrigens weltweit praktiziert, heißt es seitens des Landes.

Seit Einrichtung des Tbc-Überwachungsgebiets im oberen Lechtal muss jedes einzelne Stück Rotwild dem Amtstierarzt vorgelegt werden. Dadurch ist gewährleistet, dass Wildfleisch bedenkenlos verzehrt werden kann. Auch die Rinderbestände werden jährlich nach der Alpung auf Tbc untersucht. Im vergangenen Jahr wurde in Tirol erstmals kein Rind mit Tbc gefunden. In Vorarlberg waren es elf. Während in Tirol kein Fall bekannt ist, bei dem die Rinder-Tbc auch auf Menschen übertragen wurde, sind in Vorarlberg drei Fälle nachgewiesen. Der enge Kontakt in Ställen ermöglicht dies.

Bei den im Zeitraum 2014 bis 2018 untersuchten 1173 Stück Rotwild aus dem Überwachungsgebiet im Bezirk Reutte wurden 77 Stück positiv auf Tbc getestet. Das entspricht einer Infektionsrate von 6,6 Prozent, viereinhalbmal so hoch wie in anderen Teilen Tirols. (TT, hm)


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