Klopp klagt: „Ihr mögt es, uns leiden zu sehen“

Zwei Spiele, zwei Kontinente und nur 24 Stunden Puffer – der FC Liverpool muss in Sachen Club-WM und Ligacup improvisieren.

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Von Tobias Waidhofer

Wien –Als „Mentalitätsmonster“ hatte Jürgen Klopp seine Liverpool-Spieler einmal bezeichnet. Aber selbst Athleten mit herausragender Physis und Psyche sind am Ende des Tages Menschen aus Fleisch und Blut. Und zwei Spiele binnen 24 Stunden auf zwei verschiedenen Kontinenten sind selbst den durchtrainierten Akteuren des englischen Champions-League-Siegers nicht zuzumuten. Die kommenden Tage des FC Liverpool mit dem Ligapokalviertelfinale gegen Aston Villa (heute, 20.45 Uhr) und dem Halbfinale bei der Klub-WM in Katar (morgen 18.30 Uhr) stehen stellvertretend für eine Termin-Hatz, die den internationalen Fußball fest im Schwitzkasten hält. „Die Ansetzungen sind, wie sie sind. Ihr mögt es, uns leiden zu sehen“, sagte Jürgen Klopp nach dem 2:0-Sieg gegen den FC Watford: „Ihr blickt alle etwas besorgt drein, aber am Ende kümmert es niemanden so wirklich.“

Die „Reds“ treffen in Doha im Halbfinale auf CF Monterrey aus Mexiko und könnten am Samstag dann im Endspiel den nächsten Titel gewinnen. Den möglichen Endspielgegner ermitteln bereits heute der brasilianische Top-Club Flamengo aus Rio de Janeiro und das saudi-arabische Team Al Hilal.

Kurioserweise spielt der FC Liverpool aber bereits heute. Und zwar in England im Viertelfinale des Ligacups bei Aston Villa. Klopp begegnet der komplizierten Lage, indem er in der Heimat Nachwuchskräfte auf den Rasen schickt. Genauer gesagt wird dies Neil Critchley machen, der Trainer der U23.

Eine andere Ansetzung war schlichtweg nicht möglich. „Es gab kein Datum, das für alle funktioniert hätte“, sagte Klopp, im Wissen, dass der Kalender vor allem in England ohne Winterpause und mit zwei Cup-Bewerben aus allen Nähten platzt. Umso weniger kann der frühere Mainz- und Dortmund-Coach die zuletzt kolportierten Überlegungen englischer Top-Clubs verstehen, die sich offenbar für eine Ausweitung der Champions League ab der Saison 2024/25 einsetzen. Dazu soll laut dem Guardian auch Klopps Arbeitgeber aus Liverpool zählen. „Ich bin in diese Pläne nicht involviert“, sagte Klopp: „Das ist auch absoluter Schwachsinn. Wir müssen die Anzahl an Spielen reduzieren, nicht erhöhen.“

Da wird allerdings nicht nur Klopp die Rechnung ohne die einflussreiche Funktionärs-Riege gemacht haben. Gewinnmaximierung um jeden Preis heißt das Motto – und mehr Spiele bedeuten nun einmal höhere Einnahmen. Die Top-Clubs werden also reagieren und ihre Kader weiter verbreitern. In der Folge droht die Schere zwischen SpitzenClubs und dem Rest noch weiter auseinanderzugehen. Die große Angst des traditionsbewussten Fans – die europäische Superliga – scheint nicht mehr fern.


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