Österreichs Bürgermeister beklagen Bürokratie und Hass im Netz

Umfrage unter Ortschefs zeigt: Großteil bemängelt steigende Belastung, Verantwortung sei nicht verhältnismäßig. Gemeindebund warnt vor Mangel.

(Symbolbild)
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Wien –Österreichs Bürgermeister haben einiges zu beklagen. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) sieht sich im Alltag „einer sehr großen Belastung“ ausgesetzt. Gründe dafür sind laut den Ortschefs wachsende Bürokratie (88 Prozent), großer Zeitaufwand für Gemeinden bzw. Aktivitäten (80 Prozent) und hoher Anspruch der Bürger (76 Prozent). Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage unter 530 Bürgermeistern. Insgesamt gibt es rund 2100 Gemeinden hierzulande.

Der Anspruch an die Bürgermeister habe sich erhöht, sagt Paul Unterhuber, Geschäftsführer des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Demox Research, das die Umfrage durchführt hat. 60 Prozent der Bürgermeister sagen nämlich, dass die „Notwendigkeit zum Kommunizieren und Erklären zwischen Gruppen in der Bevölkerung“ zugenommen habe. Als Gründe nennen die Bürgermeister Autoritätsverlust bzw. mangelnden Respekt gegenüber dem Amt (68 Prozent), zunehmende Aggressivität im Umgang miteinander (65 Prozent) und generell ein kühleres gesellschaftliches Klima (64 Prozent). Bürgermeisterinnen sehen sich hier besonders stark belastet.

73 Prozent der Bürgermeister stimmten der Aussage zu, dass die Verantwortung zugenommen habe und nicht verhältnismäßig sei. 85 Prozent sehen sich in der „Zwangslage“, Rede und Antwort zu stehen für politische Entscheidungen, die auf Gemeindeebene nicht beeinflussbar sind. „Am Ende heißt es Ausfallshaftung übernehmen für jede politische Ansage, egal ob in Brüssel, in Wien oder in einer Landeshauptstadt“, kritisiert Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl bei der Präsentation der Umfrage. Gefordert wird daher, dass Entscheidungen auf Regierungsebene auf Gemeindeebene umsetzbar sein müssen. Eine Liste mit konkreten Wünschen sei an die Regierungsverhandler übergeben worden, sagt Riedl.

Weiters sagten nahezu alle Befragten, dass besondere Kenntnisse notwendig sind, um allen Anforderungen als Bürgermeister gerecht zu werden. „Die Bürgermeister sollen gleichzeitig Finanz- und Raumordnungsexperten sein, die infrastrukturellen und gesundheitspolitischen Hürden nehmen und zusätzlich noch die Rolle der Mediatoren oder Psychologen bei Konflikten einnehmen. Das geht sich auf Dauer nur schwer aus“, moniert Riedl. Er befürchtet, dass sich in Zukunft kaum mehr jemand für das Amt finden könnte.

Als besondere Herausforderungen in den kommenden fünf Jahren nannten die Bürgermeister Finanzen in der Gemeinde, Kinderbetreuung, Infrastruktur, Altenbetreuung und Pflege, Raumordnung sowie Schule und Bildung.

Die Umfrage ergab zudem, dass die Amtsträger bei Fehlverhalten immer häufiger in den sozialen Netzwerken Anfeindungen und Angriffen ausgesetzt sind – 76 Prozent fühlen sich immer mehr online an den Pranger gestellt. Bürgermeisterinnen empfinden dieses Problem stärker als ihre männlichen Kollegen.

33 Prozent der Bürgermeister arbeiten nebenher Vollzeit, 36 Prozent gehen Teilzeit einem Zivilberuf nach und 31 Prozent üben das Amt des Bürgermeisters als Hauptberuf aus. (sas)


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