Regierungschefin Brnabic: Handke besucht im Frühjahr Serbien

Literaturnobelpreisträger Peter Handke hatte sich im Jugoslawien-Konflikt stark mit Serbien solidarisiert und nach Ansicht von Kritikern die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet.

Die Literaturnobelpreisträger Peter Handke (für 2019) und Olga Tokarczuk (für 2018) während der Verleihung in Stockholm.
© AFP

Belgrad – Der umstrittene Literaturnobelpreisträger Peter Handke wird nach Belgrader Regierungsangaben im März oder April 2020 nach Serbien reisen. Dies gab die serbische Ministerpräsidentin Ana Brnabic im Privat-Sender Pink TV bekannt.

„Präsident (Aleksandar) Vucic hat mit Handke (telefonisch) gesprochen, der ihm sagte, er werde Serbien im März oder April besuchen“, sagte Brnabic in einer Talk-Show des regierungsnahen Senders am späten Sonntagabend.

Handke hatte sich im Jugoslawien-Konflikt stark mit Serbien solidarisiert und nach Ansicht von Kritikern die von Serben begangenen Kriegsverbrechen bagatellisiert oder geleugnet. 2006 hielt er bei der Beerdigung des sechs Jahre zuvor gestürzten serbischen Führers Slobodan Milosevic eine Rede. Als ihm im Oktober der Nobelpreis für Literatur zuerkannt wurde, löste dies scharfe Proteste aus.

Handke nahm den Nobelpreis am vergangenen Dienstag in Stockholm entgegen. Der serbische Präsident Vucic hatte ihm schon nach der Zuerkennung im Oktober telefonisch gratuliert. Persönlich getroffen hat er ihn nach eigener Darstellung noch nicht. Vucic, der unter Milosevic ein gefürchteter Informationsminister war, bemüht sich heute um eine gemäßigtere Rhetorik, mit der er sein Land in die EU führen will. Kritiker werfen ihm die Unterdrückung der Opposition und schwere Korruption vor. (APA/dpa)


Kommentieren


Schlagworte