Seefestspiele Mörbisch bringen 2020 „West Side Story“

Bei den Seefestspielen Mörbisch regiert 2020 nicht die Operette, sondern das Musical: Leonard Bernsteins „West Side Story“ wird kommendes Jahr New York in den Neusiedlersee verlagern. „Wir wollen das Publikum sich breiter aufstellen lassen“, begründete Intendant Peter Edelmann bei der Präsentation des Vorhabens am Montag in Wien die Stückwahl.

„Momentan ist der Schnitt unseres Publikums um die 50 - ich denke, das können wir damit senken“, zeigte Edelmann sich zuversichtlich hinsichtlich der Zugkraft von Bernsteins „Romeo und Julia“-Adaption. Immerhin habe man derzeit bereits 8.000 Karten mehr als im Vorjahr abgesetzt. Dies sei für die Seefestspiele essenziell. „Das Publikum, das unsere Karten kauft, ist unser größter Sponsor“, betonte der Intendant. Schließlich kämen 80 Prozent des Budgets aus dem Kartenverkauf.

Dabei setzt Bühnenbildner Walter Vogelweider bei seiner vierten Arbeit für Mörbisch auf eine Rekonstruktion des New Yorks der 1950er inklusive einer zwölf Meter hohen Freiheitsstatue in der Blickachse. „Es wird eine Art Suchbild - die Leute kommen rein und haben viel zu sehen“, umriss Vogelweider sein Konzept: „Man muss die Grenzen ausreizen. Wenn wir uns immer nur an die bestehenden Strukturen halten würden, hätten wir heute noch keine Brücken.“

Für die Regie zeichnet Mörbisch-Novize Werner Sobotka verantwortlich, der ebenso wie Dirigent Sascha Goetzel die „West Side Story“ erstmals erarbeiten wird. „Mein erster Gedanke war: Mein Gott ist das groß hier“, erinnerte sich der 54-jährige Regisseur an seinen Debüteindruck der künftigen Arbeitsstelle. Für die Bandenkriege des Stücks sei die Seebühne ein wahrer Segen: „Man kann sich da austoben.“ Allzu große Freiheiten hat man als Gestalter bei der „West Side Story“ indes auch nicht, muss das Geschehen doch vom Verlag aus im Jahr 1957 belassen werden.

TT-ePaper testen und eine von 150 Jahres-Vignetten gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch.

Auch für das Kinderstück der Festspiele konnte man aus ähnlichen Gründen nicht auf die Bernstein-Musik zurückgreifen. Deshalb wurde an Guido Mancusi ein Kompositionsauftrag vergeben, der unter dem Titel „Anton und Maria“ die Kinder zweier verfeindeter Winzerfamilien zueinander finden lässt - mit Happy End.

Zuversichtlich in Hinblick auf die Zuschauerzahlen insgesamt zeigte sich der auch für die Kultur zuständige burgenländische Landeshauptmann Hans-Peter Doskozil (SPÖ). Angesichts der rund 120.000 Besucher heuer im „Land des Lächelns“ gelte: „Damit haben wir uns von der Talsohle erholt.“


Kommentieren