Audi RS Q8: Glanz und Gloria im coupéförmigen Hochbau

Audi hat aus dem SUV-Koloss Q8 tatsächlich eine RS-Variante geschnitzt. Mit allem, was dazugehört – und noch ein bisschen mehr.

Der RS Q8 ist scheinbar ein Anachronismus, so wie schon seinerzeit die großen rasanten RS-Kombis – deren Tugenden beherrscht er aber ebenso souverän.
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Von Stefan Pabeschitz

Santa Cruz –RS ist neben Quattro der wahrscheinlich heiligste Begriff im Audi-Katechismus: Synonym für Leistung, Straßen-Performance und hohe Sicherheitsreserven. S, in der Hierarchie darunter angesiedelt, wurde unlängst entwertet, es steht neuerdings wohl für Selbstzünder statt für Sport. Die Angst vor einem leistungsgedopten Diesel mit RS-Logo drauf war entsprechend groß und berechtigt. Aber schon der RS6 hat klargemacht, dass hier die rote Linie verläuft. Nach der Ankündigung eines RS Q8 stand also nur noch eine philosophische Grundsatzfrage im Raum: Kann ein 2,4-Tonnen-SUV ein glaubwürdiger RS sein? Um es kurz zu machen: Es kann – und zwar mit allem, was dazugehört.

Dass die neue Leit-Q keine Light-Q ist, macht der Antriebsstrang aus dem RS6 wett: 4-Liter V8 Turbo, 600 PS, 800 Newtonmeter Drehmoment, Mildhybrid-Zusatzschub, garniert mit allem, was das Feinkost-Regal des Konzerns hergibt: Allrad, Luftfederung, Vierrad-Lenkung, aktive Wankstabilisierung. Zum Teil natürlich aufpreispflichtig – Audi gibt das Herumschachern um Extras wohl nie auf.

Äußerlich wappnet sich der Über-Q8 mit angemessen bedrohlichem Aussehen, gewaltige seitliche Lufteinlässe flankieren den mächtigen Kühlergrill, befestigt mit schwarzen Wabengittern. Das Heck schmückt ein auch nicht kleinlicher Diffusor, dazu klassisch zwei Oval-Endröhren für den passenden Soundtrack. 22-Zoll-Schuhwerk ist Serie, auf Wunsch sind aber auch 23-Zöller erhältlich. Im Cockpit herrscht, ebenfalls ganz der RS-Tradition verpflichtet, schwarze Sport-Ästhetik, zeitgeistig gemischt mit kühler Technik-Atmosphäre und drei Digitalschirmen.

Der Startknopf löst einen kurzen Fanfarenstoß aus, vernehmlich, aber nicht nachbarschaftsfeindlich. Der Automatik-Wählhebel wandert auf D, der rechte Fuß respektvoll zum Gaspedal. Wer meint, so ein RS könne nur draufhauen, irrt: Er beherrscht auch sanftes Anrollen und Gleiten, gestattet vorsichtiges Kennenlernen und Austesten des Potenzials. Wohl dosiert die Begleitmusik: Der Soundpegel geht ab der Standgasdrehzahl mit, wird aber nie lästig. Ist die Schüchternheit erfolgreich überwunden, spielt das mächtige SUV alle seine Talente aus: solider Schub aus jeder Drehzahl, souveräne Traktion, unbestechliche Bremsen, ausgezeichnete Balance – und als Überraschungszugabe unerwartete Agilität im Handling und kompaktes Fahrverhalten. Der Talon klassischer RS-Tugenden, noch einmal verdichtet, weiterentwickelt und ergänzt.

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Die physikalische Tatsache des Gewichts gleicht die entsprechend adaptierte Regelelektronik in den Kurven elegant aus. Und selbst wenn sie per Knopfdruck karenziert wird, hat die Perfektion der Allrad-Mechanik Ausreißer im Griff. Mit 3,8 Sekunden auf hundert reiht sich der SUV-Sportler in der V8-befeuerten Plattform-Verwandtschaft deutlich vor dem Bent­ley Bentayga und sogar dem Porsche Cayenne ein, nur dem Lamborghini Urus muss er sich um zwei Zehntel geschlagen geben. Im Top-Speed zieht er mit 305 km/h aber wieder gleich – sofern das natürlich aufpreispflichtige Dynamik-Paket geordert wurde. Ansonsten wird bei 250 km/h abgeriegelt.

Dass die fünf Fahrmodi die übliche erweiterte Spreizung erfahren haben: geschenkt. Tatsächlich braucht und verwendet in so einem Auto niemand mehr Einstellungen außer Komfort und Sport. Aber auch für diese gelebte Praxis hat Audi eine Lösung parat: Der RS-Knopf am Volant aktiviert individuelle Einstellungen in zwei Stufen – wer mag, kann sie also mit den beiden Varianten belegen und den Rest in Frieden ruhen lassen.

Was die komprimierte Ingolstädter Leistungsschau hierzulande kosten wird, steht noch nicht fest. Vom deutschen Listenpreis umgerechnet dürften es aber um die 160.000 Euro werden. Ohne Extras, versteht sich.


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