Drei Wünsche für die Innsbrucker Psychiatrie

Der neue Direktor der Uniklinik für Psychiatrie I in Innsbruck setzt sich für Schwangere und Mütter, psychiatrische Übergangsbetreuung zu Hause und gegen Stigmatisierung ein.

(Symbolfoto)
© iStockphoto

Von Theresa Mair

Innsbruck –Es sind nur noch wenige Tage bis zum Jahreswechsel und Alex Hofer hat eine umfangreiche Liste mit Wünschen und Plänen für die Zukunft der Psychiatrie. Gestern stellten ihn die Medizinische Universität und die Tirol Kliniken als neuen Direktor der Universitätsklinik für Psychiatrie I in Innsbruck vor.

Med-Uni-Rektor Wolfgang Fleischhacker sprach die außergewöhnliche Situation an, seinen eigenen Nachfolger als Klinikleiter berufen zu dürfen, und strich sowohl „viele Jahre kollegialer Freundschaft“ als auch die fachliche Kompetenz Hofers hervor. Der aus Innichen in Südtirol stammende Mediziner hat die Klinik bereits seit zwei Jahren interimistisch geleitet.

„Es geht unter, dass ein Prozent der gesunden, nicht-psychotischen Bevölkerung gewalttätig wird", sagt Alex Hofer (Direktor, Uniklinik für Psychiatrie I).

„Er hat sich als einer der Ersten im deutschsprachigen Raum mit dem Zusammenhang von Bildgebung im Gehirn und Hirnleistungen wie emotionaler Intelligenz beschäftigt und damit Pionierarbeit geleistet“, sagte Fleischhacker. Der 49-Jährige beschäftigte sich zuletzt vermehrt mit Resilienz – Widerstandsfähigkeit, mit Belastungen des Lebens zurechtzukommen – und gilt als Experte für schizophrene und affektive Störungen.

Alexandra Kofler, die ärztliche Direktorin der Innsbrucker Klinik, vertraut auf die „geschickte Hand“ Hofers in der Führung einer Uni-Klinik.„Wir freuen uns, dass mit Alex Hofer jemand die Klinik leitet, der einerseits Erfahrung hat, die bestehenden Schwerpunkte auszubauen, andererseits aber auch neue Akzente setzen wird“, sagte Kofler. Hofer wünscht sich u. a. Home Treatment Teams für Kinder und Erwachsene in ganz Tirol. „Es ist ein häufiges Problem, dass Patienten den Übergang von der stationären in die ambulante Betreuung nicht schaffen. Ein Drittel der stationären Patienten wird öfter als einmal pro Jahr aufgenommen“, erklärt er. Die „große Hoffnung“ liege in Teams aus Fachärzten, Pflegern, Psycho- und Ergotherapeuten, Genesungsbegleitern sowie Sozialarbeitern, welche den Betroffenen anbieten, sich freiwillig zu Hause betreuen zu lassen, bis der Übergang ins Regelsystem bewältigt ist.

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Denn einerseits seien die Wartezeiten im niedergelassenen Bereich lang, andererseits seien die Erkrankten häufig gar nicht in der Lage, sich ihre Weiterbehandlung selbst zu organisieren. „Home Treatment ist international schon etabliert“, sagt Hofer. Das Konzept für ein Pilotprojekt liege bereits bei der Landeszielsteuerungskommission. „Letztlich ist das eine politische Entscheidung.“

„Er hat sich als einer der ersten mit Bildgebung in Zusammenhang Hirnleistung beschäftigt", sagt Wolfgang Fleischhacker (Rektor, Medizinische Universität.
© Medizin-Uni Innsbruck

Ein weiteres „absolutes Wunschprojekt“ Hofers ist die Betreuung von Frauen, die während der Schwangerschaft oder nach der Geburt psychisch erkranken. „Depression und Angststörungen spielen da eine Rolle. Da haben wir Aufholbedarf. Es gibt große Unsicherheiten von Seiten der Patientinnen, aber auch bei den Behandlern“, sagt er. Und es fehle ein spezifisches Angebot mit ambulantem Fokus, bei dem die Frauen je nach Bedarf abgeholt würden. Doch er stehe bereits in Kontakt mit den Tirol Kliniken, um ein Pilotprojekt zusammen mit der Gynäkologie, Hebammen, Medizinischer Psychologie sowie den Frühen Hilfen Tirol zu planen.

Nicht zuletzt ist es Hofer wichtig, die Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen, allen voran von Schizophrenie, in der Gesellschaft voranzutreiben. Dabei nimmt er auch die Medien in die Pflicht. Denn häufig würde über schizophrene Störungen nur im Zusammenhang mit Gewalt berichtet. Das erzeuge ein falsches Bild, zumal ein großer Teil der Betroffenen kein Wahnverhalten entwickle, sondern im Gegenteil. Sie ziehen sich zurück.

„Ein Prozent der Bevölkerung ist an Schizophrenie erkrankt, davon haben zehn Prozent ein Risiko, gewalttätig zu werden“, stellt Hofer klar. Sie müssten unterstützt werden und Behandlung bekommen – je früher, desto besser sei die Prognose. „Es geht aber unter, dass ein Prozent der gesunden, nicht-psychotischen Bevölkerung gewalttätig wird. Das sind viel mehr.“ Wenn Patienten ihn fragen, ob sie gefährlich seien, mache ihn das betroffen. Oft vergesse man nämlich auch, dass ein Drittel der Menschen mit Schizophrenie aufgrund ihrer Lebensumstände – fehlendes soziales Netz, Obdachlosigkeit – selbst Opfer von Gewalt werden.


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