Innsbrucker Schützen bauten die Bergiselschlacht nach

Sieben fingerfertige Bastler haben in rund 600 Arbeitsstunden ein enorm detailreiches Kleinformat der Bergiselschlacht geschaffen. Ab 10. Jänner kann es bestaunt werden.

Vertikal verbautes Modell mit Spiegelwirkung: In ihren detailreichen Nachbau der (zweiten) Bergiselschlacht von 1809 mit 330 Zinnfiguren haben sieben Allerheiliger Schützen rund 600 Arbeitsstunden investiert.
© Domanig

Von Michael Domanig

Innsbruck –Da ist dem Krippenverein im Kolpinghaus Innsbruck wohl ein einzigartiges Werk gelungen: Sieben fingerfertige Bastler, die auch Mitglieder der Schützenkompanie Allerheiligen sind, haben in rund 600 Arbeitsstunden ein enorm detailreiches Kleinformat der Bergiselschlacht geschaffen.

„Die Idee hatte ich seit Jahren im Kopf“, erzählt der Allerheiliger Schütze Reinhard Waibl, „bis zur Umsetzung hat es halt etwas gedauert.“ Dafür erfolgte der Nachbau nun in einer Form, die mit „außergewöhnlich“ noch unzureichend beschrieben ist. Die Schlacht wurde nämlich „nach unten“, also vertikal, gebaut: Das 1,30 x 1,30 Meter große Modell hängt senkrecht in einem Schrank. Durch den schrägen Einbau eines Spiegels kann man die Schlacht dennoch normal von vorne betrachten – nur eben mit dem verblüffenden Effekt, 1,30 m in die Tiefe zu blicken, obwohl der Schrank nicht einmal halb so tief ist.

Die Tipps dazu habe er sich bei Krippenbaumeisterin Andrea Hahndl geholt, die schon mehrere Krippen nach diesem System ausgetüftelt hat, berichtet Waibl. Die Umsetzung erfolgte dann eben gemeinsam mit sechs Schützenkameraden – unter Federführung von Leopold Blaha vom Krippenverein – und nahm gut ein Jahr in Anspruch.

Stolz: Reinhard Waibl (l.) und Leo Blaha vor dem „Wunderkasten“.
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Bevor überhaupt mit dem Bau begonnen werden konnte, musste Waibl aber erst einmal ein ganzes Jahr in Vorarbeiten investieren: Dazu zählten nicht nur intensive Recherche (aufbauend auf Vorlagen des Tirol Panorama am Berg­isel), sondern auch die Suche nach rund 330 Zinnfiguren. Waibl erwarb die bis zu 100 Jahre alten Raritäten um teures Geld in aller Welt (Schweiz, Italien, USA, die große Kanone stammt aus Russland) und bemalte jede davon händisch.

Sodann galt es, die aufwändige Bergisel-Szenerie zu realisieren – mit möglichst viel leichten Materialien wie Styropor, Rinde, Moosen oder Thymian und klarerweise spiegelverkehrt (!). Bei jedem Blick gibt es Neues zu entdecken – bis hin zum Rauch der Gewehre, aus Wolle gefertigt. Im Hintergrund ist u. a. das Stift Wilten zu erkennen, während der beleuchtete Horizont alle paar Minuten die Farbe wechselt und so Tages-, Abend- und Nachtstimmungen vermittelt. Sämtliche Figuren mussten, weil sie ja nicht stehen, sondern hängen, mit Spezialkleber befestigt werden. Heruntergefallen ist keine einzige – womit Waibl übrigens eine Wette gegen Blaha gewann.

Das Ergebnis und die Begeisterung, die es allseits hervorruft, belohnen das Team für die Strapazen. Das kleine Wunderwerk hat inzwischen einen fixen Platz im Schützenheim gefunden (Viktor-Franz-Hess-Str. 9) und kann dort ab 10. Jänner jeden Freitag ab 19 Uhr bestaunt werden.


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