„Wenn Region die Talabfahrt will, muss sie mitzahlen“

Der Chef der Mayrhofner Bergbahnen nimmt die Region Mayrhofen-Hippach in die Pflicht bei deren Wunsch nach einer Talabfahrt.

Die Horbergbahn soll eine Mittelstation bekommen. Bis dorthin würde die Skiroute talwärts ausgebaut werden.
© Dähling

Von Angela Dähling

Schwendau –Eines stellt Jose­f Reiter als Vorstand der Mayr­hofner Bergbahnen im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung gleich klar: „Ich versprach nie, dass die Talabfahrt als Nächstes realisiert wird.“ Es seien andere in der Führungsetage des Unternehmens gewesen, die sich zu solchen Aussagen haben hinreißen lassen. Wohl auch, um damit jene zu besänftigen, die seit Jahrzehnten den Ausbau der Skiroute am Horberg zu einer Talabfahrt nach Schwendau fordern. Allen voran kämpft Franz Hauser für die Realisierung, seit er Bürgermeister von Schwendau ist.

Reiter sagt, er sei diesen Forderungen indes immer sehr kritisch gegenübergestanden. „Wenn, dann hätten wir die Abfahrt vor 20 Jahren bauen sollen“, meint er und verweist auch auf den Klimawandel und die gesellschaftskritische Haltung zu derartigen Projekten. Wie berichtet, will die Bergbahn AG den oberen Teil der Skiroute zu einer Piste ausbauen, die dann bis zu einer neuen Mittelstation der Horbergbahn führen soll. Der Ausbau des unteren Stücks würde mit weiteren sechs bis sieben Millionen Euro zu Buche schlagen. Reiter: „Für uns wäre der Ausbau ein wirtschaftlicher Nachteil.“ Und weil das untere Teilstück sehr steil ist, entschied sich das Unternehmen gegen den Ausbau bis ins Tal. „Zwei Drittel der Gäste können die Abfahrt nicht bewältigen“, ist Reiter überzeugt. Und er hat auch moralische Bedenken. „Weil es auf der Ahornabfahrt, die weniger steil ist, schon drei Tote gab“, erklärt er.

Wissend um die Forderung nach dem Talabfahrtsbau, die außer von BM Hauser auch von TVB-Obmann Andreas Hundsbichler kommt, sagt Reiter nun: „Wenn die Region diese Talabfahrt unbedingt will, dann muss sie sie gemeinsam mitfinanzieren.“

Wie berichtet, ist die Gesprächsbasis zwischen Bergbahn, TVB und Gemeinden in puncto Abfahrt keine gute. So hat die Gemeinde Schwendau aus Protest beschlossen, der Bergbahn die nötige Verlegung von Wasserleitungen für die Beschneiung über ihre Gemeindestraße zu untersagen. Die Hippacher Gemeinde wurde ebenfalls ins Boot geholt. Auf ihr Okay ist die Bergbahn bei der geplanten Erschließung des Pangerts angewiesen. Auch in der Vergangenheit gab es kommunalpolitische Versuche, ein Okay für andere Bergbahnprojekte von der Realisierung der Talabfahrt abhängig zu machen. Bisher ohne Erfolg. Reiter will das Gespräch mit BM Hauser nochmals suchen. „Wenn wir alles für das Beschneiungsprojekt beieinanderhaben, werden wir mit dem Bürgermeister nochmals reden.“

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Für BM Hauser steht fest: „Auf keinen Fall zahlen die Gemeinden für die Abfahrt mit. Die Bergbahnen verdienen ja damit.“ Und er meint: „Wenn Josef Reiter moralische Bedenken hat, soll er die Harakiri zusperren, die steilste Piste Österreichs.“ Die geforderte Talabfahrt sei nicht zu steil. „Bei guten Schneeverhältnissen fahren auf der jetzigen Skiroute rund 2000 Wintersportler am Tag ins Tal. Und Tote gab es keine“, sagt Hauser.

Auch TVB-Obmann Andreas Hundsbichler sagt Nein zum Mitzahlen. „Der TVB hat 20 Jahre lang die gesamten Pachtzinsen für die Skiroute gezahlt, seit einigen Jahren immerhin noch die Hälfte. Da kommt einiges Geld zusammen. Als TVB-Obmann fordere ich, dass die Bergbahn auch das letzte Drittel bis ins Tal als Abfahrt ausbaut.“


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