Mit 23 und dem ersten Paar Schuhe in ein neues Leben

Außerferner Initiative „Schulkinder Nepal“ baut ein Frauenhaus in Panauti und hilft dem 23-jährigen Sanjib beim Start in eine hoffnungsvolle Zukunft.

Ein Christkindl der besonderen Art gab’s für Hanni Gnadlinger (l.) und Ulrike Jäger (2. v. r). Die Bäuerinnen Grän, Monika Weber (2.v.l.) und Anni Rief (r.), übergaben ihnen für das Hilfsprojekt „Schulkinder Nepal“ 5000 Euro.
© Jäger

Von Simone Tschol

Reutte –Ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk gab es für die Außerferner Hilfs­initiative „Schulkinder Nepal“. Die Bäuerinnen Grän übergaben Ulrik­e Jäger und Hanni Gnadlinge­r einen Scheck in Höh­e von 5000 Euro. „Das ist ja ein Wahnsinn“, ist Jäger auch Tag­e später noch ganz außer sich vor Freude.

Sanjib, der als Kind seine Füße verlor, bekommt Schuhe
© Jäger

Das ganze Jahr über sind die Außerfernerinnen fleißig unterwegs, um Geld für „ihre“ Kinder in Nepal zu sammeln. Auf die Frage, wie es denn im Himalayastaat so laufe, sprudelt es aus Jäger heraus. „Ich bin richtig glücklich. Mein Mann Herbert war von Ende Oktober bis Mitte November auf einer Trekkingtour in Nepal und hat eine Stippvisite in Hunumat gemacht. Und er hat mir berichtet, dass dort alles picobello ist“, erzählt Jäger und fügt hinzu: „Da fällt mir schon ein Stein vom Herzen. Wenn wir rüberfliegen, wissen sie ja immer Bescheid, dass wir kommen. Aber Herbert kam völlig unangemeldet. Umso schöner ist es zu erfahren, dass alles passt.“

In den fünf Kinderhäusern in Hunumat werden derzeit zwölf Buben und18 Mädchen betreut. In Panauti, knapp 30 Kilometer außerhalb von Kathmand­u, ist gerade ein Frauenhaus im Entstehen begriffen. Dieses soll nach der Fertigstellung sechs Frauen mit ihren Kindern ein neues Zuhause sein.

Die Außerferner haben sich dem Aufbau von Infrastruktur, dem Bau von Schulen, Kranken-, Waisen- oder Frauenhäusern verschrieben. Zudem leisten sie immer wieder sozial­e Soforthilfe. Einer, der davon profitieren wird, ist Sanjib. Der 23-Jährige hat als Kleinkind bei einem Brand beide Füße verloren. Jäger: „Beim Gehen fällt es gar nicht so auf, aber jetzt bekommt er Probleme in der Hüfte. Sein größter Wunsch ist es, einmal ein Paar Schuhe zu besitzen. Die Füße, oder das, was eben noch da ist, sind nur mit Leder umwickelt. Ich habe ihm daher das Versprechen gegeben, dass er Schuhe bekommt.“

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Dies gestaltet sich jedoch komplizierter als gedacht. Zuerst muss Sanjib eine Prothese angepasst werden, die seinen Vorderfuß verlängert. Dann bekommt er Schuhe. Diese sind handgenäht, weil er natürlich keine von der Stange kaufen kann. Schuhmacher Hermann Ladner aus Zams stellt sich der Aufgabe. Er fertigt sowohl die Prothese als auch die Schuhe an. „Da Sanji­b kein Visum bekommt, werden wir im Februar, wenn wir in Nepal sind, alles genau vermessen. Sanjibs Beine sind bis zu den Knien vernarbt. Da darf es keine Druckstellen geben“, weiß Jäger.

Sanjib, der momentan als Installateur am Bau arbeitet, wird dann in ein komplett neues Leben starten – nicht nur was das Schuhwerk betrifft. Er wird ein kleines Geschäft in Hunumat übernehmen, das derzeit leer steht. Jäger: „Wir werden ihm beim Geschäftsstart natürlich auch ein bisschen unter die Arme greifen. Aber das ist eine echte Chance für ihn. Mit diesen Beinen acht Stunden am Bau zu stehen, geht gar nicht. Im Geschäft kann er zwischendurch auch mal sitzen.“


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