kitzVenture will Tiroler Marken: Kammer warnt vor Missbrauch

Von „Tiroler Berge“ bis „Gamsstadt“: Ein deutscher Unternehmer will sich solche Begriffe als Marke sichern. Bei der Wirtschaftskammer schrillen die Alarmglocken.

kitzVenture will sich u. a. „Tiroler Bua“ und „Tiroler Madl“ sichern.
© Foto TT/Rudy De Moor

Kitzbühel — Der Versuch der von Deutschen geführten und in Kitzbühel ansässigen Firma kitzVenture, sich Bezeichnungen wie „Tiroler Madl", „Kitz", „Gamsstadt", „Tiroler Berge" und viele mehr als Marke schützen zu lassen, lässt bei der Wirtschaftskammer Tirol die Alarmglocken schrillen. Zwar habe jeder Unternehmer das Recht, eine Marke schützen zu lassen. „Bei einer Häufung von Anmeldungen wie in diesem Fall besteht jedoch die Gefahr, dass Markenmissbrauch betrieben wird", erklärte die Kammer.

Es sei naheliegend, dass „lediglich die Behinderung bzw. das Zur-Kassa-Bitten anderer Unternehmer" im Vordergrund stehe. Wie berichtet, meldete kitzVenture rund 70 Marken an. Unternehmer, die seit Längerem Begriffe mit Tirolbezug verwenden, würden durch solche Anmeldungen massiv behindert, so die Kammer. Mit „Tiroler Bua" bedruckte T-Shirts oder Patschen etwa gibt es ja schon lange.

Auch bei Anwalt Constantin Kletzer „läuten alle Alarmglocken, wenn man sieht, welche und wie viele Marken kitzVenture angemeldet hat". Er vertritt mehrere Betroffene. Unter anderem eine Unternehmerin, die Kleidung verkauft mit Schriftzügen, die sich kitzVenture nun als Marke sichern will. Er habe kitzVenture ersucht, die Markenanmeldung zu löschen, so Kletzer. Daraufhin habe kitzVenture von seiner Mandantin die Unterlassung der Schriftzüge sowie eine Zahlung von 100.000 Euro verlangt.

Kletzer will sich gegen kitzVenture wehren. Nicht nur die Markeneintragung sei entscheidend, sondern auch andere Rechte, erklärt er. Außerdem ortet er eine bösgläubige Markenanmeldung. Das sei etwa der Fall, wenn ohne triftigen Grund Marken angemeldet und dann überzogene Geldforderungen gestellt würden.

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kitzVenture-Geschäftsführer Patrick Landrock bestätigt die Forderungen gegenüber der Unternehmerin. Es gehe um drei Schriftzüge, bei denen aber kitzVenture über „prioritätsältere Rechte" verfüge. Die Forderung von 100.000 Euro sei üblich. Die Unternehmerin könne aber ihre Umsätze bekannt geben — danach richte sich dann die Forderung. Den Vorwurf bösgläubiger Markenanmeldung weist er zurück. Zuletzt kündigte er ein „Fashion-Projekt" an, weshalb all die Marken angemeldet worden seien. (mas)


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