Strache soll Parteifreunde ausspioniert haben: „Menschliche Enttäuschung“

Der Ex-FPÖ-Chef hat nach dem Auftauchen des Skandalvideos offenbar seine Parteikollegen bespitzeln lassen. Fotos zeigen etwa von einem Spion angefertigte Fotos von Gudenus und Nepp. Straches ehemaligen Weggefährten reagieren enttäuscht.

Strache bei seinem Rücktritt im Mai 2019.
© APA

Wien – Der ehemalige FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos offenbar an eine freiheitliche Verschwörung gegen ihn geglaubt. Deshalb soll er einen Detektiv beauftragt haben, um unter anderem seinen Parteifreund Johann Gudenus zu bespitzeln. Das schreibt die Kronen Zeitung am Donnerstag. Gudenus soll von Strache wochenlang ausspioniert worden sein.

Auf den Fotos, die nun aus dem eigentlich als Verschlussakt bekannten Ermittlungsverfahren ans Licht kamen, ist Gudenus unter anderem beim Einsteigen in seinen Wagen und nach einem Restaurantbesuch mit einem Bekannten zu sehen. Die Überwachungsfotos von Juni wurden laut Krone damals bei der Hausdurchsuchung in Straches Klosterneuburger Villa im Zusammenhang mit der Causa Casinos durch die Soko Ibiza sichergestellt. Dem Bericht zufolge wurde auch Straches Nachfolger als Wiener FPÖ-Chef, Dominik Nepp, bespitzelt.

Hofer „not amused“

Norbert Hofer, Straches Nachfolger an der FPÖ-Spitze, bezeichnete die kolportierten Spionage-Aktivitäten am Donnerstag als „seltsam“. Er selbst habe nichts davon gewusst, beteuerte er. Auch mit dem Parteiausschluss hätte diese Angelegenheit nichts zu tun, so Hofer. „Ich habe aus der Zeitung davon erfahren und war not amused.“ Die Rechnung für den Detektiv ging allerdings sehr wohl bei der FPÖ ein.

Er habe nach Bekanntwerden der Spionage-Vorwürfe sofort sämtliche Rechnungen der Partei überprüft, berichtete Hofer am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz in Wien. „Ja, es ist eine Rechnung für einen Detektiv bei der Partei eingegangen“, bestätigte Hofer. „In welcher Höhe sie ist, kann ich hier nicht sagen“, meinte er weiter. Die Rechnung sei von der FPÖ jedenfalls noch nicht bezahlt worden, so der FPÖ-Chef. Bei der Bezahlung der angeblichen Spitzel-Aktivitäten des Ex-Parteichefs nimmt Hofer Strache nun selbst in die Pflicht: „Die Rechnung wird an den Auftraggeber weitergeleitet werden“, kündigte er an.

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Gudenus-Anwalt versteht Bespitzelung nicht

Dass Ex-FPÖ-Klubobmann Gudenus von Strache bespitzelt worden sein soll, ist für Gudenus-Anwalt Heinz-Dietmar Schimanko nicht nachvollziehbar. Strache sollte mittlerweile erkannt haben, dass Gudenus selbst Opfer einer Videofalle geworden ist, sagte Schimanko im Gespräch mit dem Ö1-“Mittagsjournal“.

Dass Strache argwöhnisch war, ist aber auch für den Anwalt verständlich. „Ja, es ist für mich nachvollziehbar, dass Heinz-Christian Strache misstrauisch war – nachdem er Opfer eines so niederträchtigen Angriffs mit irreführend unvollständiger Videoveröffentlichung war,“ sagte Schimanko zum ORF-Radio.

Nepp: „Ich dachte wir wären Freunde gewesen“

Der Wiener FPÖ-Obmann Dominik Nepp hat sich nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe gegen Strache frustriert gezeigt. „Das ist für mich eine große menschliche Enttäuschung. Ich dachte wir wären Freunde gewesen“, schrieb Nepp in einer Stellungnahme auf Facebook.

„Meiner Frau ist bereits im Sommer aufgefallen, dass regelmäßig eine Person bei unserer Wohnung herumschleicht und uns ausspioniert“, hieß es in dem Statement. Nepp habe die Beobachtungen Mitte September bei den Behörden gemeldet, berichtete er. Diese hätten bestätigt, „dass es sich um eine private Überwachungsaktion meiner Person und offenbar auch meiner Familie handelt“. (TT.com, APA)


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