Auf der Flucht vor der Schlachtbank: Stier überlebte drei Schüsse

Vor dem Schlachthof in St. Johann hat ein Stier die Flucht ergriffen und zwei Männer attackiert. Mit einem Jagdgewehr und einem Messer wurde das Tier getötet.

Der Vorfall spielte sich auf einer Weide in St. Johann ab.
© ZOOM.TIROL

Von Thomas Hörmann

St. Johann – Eine Woche nach der Aufregung um den Tod einer Kuh im Wipptal sorgte jetzt das Schicksal eines Stiers in St. Johann für Aufsehen. Doch diesmal war’s nicht die Cobra, sondern ein Jäger, der das wildgewordene Tier töten sollte. Erneut ein schwieriges Unterfangen – der Stier überlebte drei Schüsse und musste schließlich mit einem Messer erlegt werden.

Schauplatz des Tierdramas war der St. Johanner Schlachthof: Kurz vor 12 Uhr traf dort ein Unterländer Bauer mit dem Stier auf der Ladefläche ein. Doch das Rind ahnte offenbar sein Schicksal und ergriff beim Entladen die Flucht. Der Bauer und Mitarbeiter des Schlachthofs wollten das Tier einfangen, hatten aber keinen Erfolg. Im Gegenteil, der Stier wehrte sich, ging sogar auf zwei Männer los und fügte einem eine Verletzung am Bein zu. Schließlich gelang es dem Bauern und seinen Helfern, das Tier auf ein angrenzendes Feld zu treiben. Außerdem wurden die Polizei und ein Jäger alarmiert: „Die Beamten haben in der Folge die Loferer Straße abgesperrt und das Gelände gesichert“, schildert Martin Reisenzein, Polizeikommandant des Bezirks Kitzbühel. Allesamt Maßnahmen, um beim geplanten Erschießen des Tieres auf dem Feld keine Personen zu gefährden.

Schließlich legte der Jäger sein Gewehr an und feuerte die Waffe ab. Doch der Stier lebte noch. Auch nach zwei weiteren Schüssen war das Tier noch nicht tot. Aber „geschwächt“, heißt es im Polizeibericht. Und am Boden, wie eine Fotoserie zeigt – der Widerstand des angeschossenen Rinds war offenbar gebrochen. So konnten sich Schlachthof-Mitarbeiter dem Stier nähern und ihn mit einem Messerstich in den Hals töten.

Das Schicksal des St. Johanner Stiers erinnert an jenes der Kuh, die am vergangenen Mittwoch einen Einsatz der Polizei-Sondereinheit Cobra auslöste. Das Tier war ebenfalls auf dem Weg zum Schlachthof und ist bereits beim Verladen in Matrei geflüchtet. Dabei hat die Kuh einen Mann gerammt und verletzt, ehe sie bei den Bahngleisen stehen blieb. Ein Polizeieinsatz war die Folge. Auch die Sondereinheit Cobra, die zufällig im Wipptal eine Übung durchführte, rückte mit dem Hubschrauber an.

In Rücksprache mit dem Tierarzt und dem Besitzer wurde beschlossen, die Kuh an Ort und Stelle zu töten. Allerdings benötigten die Cobra-Beamten dafür sieben Schüsse. Ein Video des Einsatzes sorgte für Empörung bei den Tierschützern und Kritik von den Jägern. Ein Waidmann hätte aufgrund der besser geeigneten Jagdmunition nur einen Schuss benötigt, so der Tenor.

Harald Gonner, Kommandant der in Tirol stationierten Cobra, verteidigte den Einsatz: Die Kuh sei aggressiv gewesen und habe mehrfach Personen attackiert. Außerdem habe man aus Rücksicht auf das Umfeld bei den Schüssen sicher nicht den idealen Winkel zum Tier gehabt, räumte er weiters ein.


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