EU verschärft Bio-Auflagen: Aus für viele Biobauern droht

Ab 2020 gibt es keine Ausnahmen mehr bei der Weidehaltung. Laut Agrarvertreter ist derzeit nicht abschätzbar, wie viele Biobauern aufhören werden.

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© Tiroler Tageszeitung

Wien – Für heimische Biobauern mit Tierhaltung gibt es ab 2020 keine Ausnahmen mehr bei der Weidehaltung, manche Bio-Landwirte stehen nun möglicherweise vor dem Aus. „Für einen Teil der Bio-Betriebe stellen die neuen Regelungen der Europäischen Kommission eine große Herausforderung dar“, hieß es am Donnerstag vom Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium, der Landwirtschaftskammer und Bio Austria.

Weitere künftige Änderungen für Biobauern mit Tierhaltung betreffen die Überdachung von Auslaufflächen und Eingriffen bei Tieren, wie etwa die Enthornung. Man sei „sich der Tragweite der Änderungen bewusst“, so die Agrarvertreter am Donnerstag in einer gemeinsamen Stellungnahme. Wie viele Biobauern wegen fehlender Weidemöglichkeiten künftig nicht mehr als biologisch zertifiziert werden können, ist für das Landwirtschaftsministerium und den Branchenverband Bio Austria vorerst nicht abschätzbar.

Zahlreiche Ausnahmen bei der Weidehaltung gestrichen.

„Es kann derzeit keine seriöse Abschätzung der Zahl an Betrieben vorgenommen werden, die möglicherweise die verschärften Regelungen nicht umsetzen können“, hieß es vom Branchenverband Bio Austria auf APA-Anfrage. Genauere Zahlen werde es wohl erst mit Beginn der Weidesaison im April und Mai geben.

Nach einer Prüfung durch die EU-Kommission und wegen der EU-Bioverordnung 2021 werden ab 2020 zahlreiche Ausnahmen bei der Weidehaltung in Österreich gestrichen. Das Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium, die Landwirtschaftskammer und Bio Austria hatten Mitte November ein Schreiben an alle 18.000 tierhaltenden Biobauern verschickt. Von der Verschärfung bei der Weidehaltung sind laut Agrarkreisen rund 2.000 bis 3.000 Biobauern betroffen, die bisher eine Ausnahme in Anspruch genommen haben.

Österreich gilt weltweit als Bio-Musterland.

Ab dem Jahr 2020 muss jeder heimische Biobetrieb, der Rinder, Schafe, Ziegen oder Pferde hält, diesen Tieren Zugang zur Weide ermöglichen. Die Überquerung von Straßen und Bahnübergängen oder Entfernungen zu Wiesen von mehr als 200 Metern reichen derzeit noch aus, um eine Ausnahme von der Weidepflicht in Anspruch nehmen zu können.

Agrarvertreter hatten den betroffenen Bauern empfohlen, in das Agrarumweltprogramm „Tierschutzweide“ einzusteigen. Zuletzt erhielten rund 16.000 Biobetriebe eine finanzielle Förderung für die Weidehaltung. Rund 1800 Biobauern sind bisher in die Maßnahme „Tierschutz-Weide“ neu eingestiegen. Von den Änderungen betroffenen Biobauern wird empfohlen, das Beratungsangebot der Landwirtschaftskammern bzw. von Bio Austria in Anspruch zu nehmen.

Österreich gilt weltweit als Bio-Musterland. Der Anteil der Bioflächen an der landwirtschaftlich genutzten Fläche beträgt derzeit rund ein Viertel. Insgesamt gibt es hierzulande rund 24.000 Biobauern. (APA)


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