Nach Großbränden in Going: Rätsel über Motiv von Brandstifter

Mit der Ausforschung eines 37-jährigen Einheimischen dürften die Brandstiftungen in Going geklärt sein. Der Verdächtige hat bereits ein Geständnis abgelegt. Zum Motiv schweigt er allerdings.

Auch für den Brand eines Bauernhauses am 2. Juni 2019 ist der Mann verantwortlich.
© ZOOM.TIROL

Von Thomas Hörmann

Going –37 Jahre alt, Einheimischer, „kein aktiver Feuerwehrmann“: So beschreibt Ermittler Herbert Walch (Landeskriminalamt) jenen seit Monaten gesuchten Mann, der für insgesamt fünf Brandstiftungen verantwortlich sein soll. Und der jetzt gefunden wurde – am Mittwoch haben Polizeibeamte den mutmaßlichen Täter festgenommen. Schon bei der ersten Einvernahme „legte der Verdächtige ein umfassendes Geständnis ab“, sagte Walch. Für den Goinger Bürgermeister Alexander Hochfilzer eine gute Nachricht: „Die Leute sind erleichtert, dass die Serie geklärt ist.“

Eine Serie, die bereits vor über zwei Jahren ihren Anfang nahm: Am 17. September 2017 im Morgengrauen brach in einer Goinger Lagerhalle neben einem Reitstall ein Feuer aus. Daraus wurde ein Großbrand, da die Flammen auf den Reitstall, ein Nebengebäude und einen benachbarten Bauernhof übergriffen. 145 Feuerwehrmänner standen im Einsatz, der Schaden war enorm, verletzt wurden aber weder Menschen noch Tiere. Dass ein Brandstifter seine Hände im Spiel hatte, blieb zunächst unentdeckt.

Dann war fast zwei Jahre lang Ruhe: „Eine ungewöhnlich lange Pause“, sagt auch Ermittler Walch. Doch in der Nacht zum 2. Juni 2019 schlug der zu diesem Zeitpunkt noch immer unbekannte Brandstifter gleich doppelt zu. Innerhalb von nur einer Stunde fing zunächst ein Bauernhof und dann in etwa einem Kilometer Entfernung die Jausenstation „Koasastadel“ Feuer. Die Bilanz: Bauernhaus schwer beschädigt, die dazugehörige Tenne und die Jausenstation zerstört.

Diesmal war sofort klar, dass die beiden Brände kein Zufall waren. Sondern das Werk eines Brandstifters. Und der schlug im November erneut zu. Und wieder im Doppelpack – zuerst fing in der Nacht zum 22. November ein Holzstapel in einem Stadel neben einem Bauernhaus Feuer, dann ein weiterer Holzstapel bei einem nahen Einfamilienhaus. In beiden Fällen blieb der Schaden deutlich geringer als bei den vorangegangenen Bränden. Anrainer und Feuerwehrmänner konnten die Flammen ersticken, ehe sie auf die Gebäude übergriffen. Die Polizei hatte keinen Zweifel, dass der Serientäter erneut zugeschlagen hatte.

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„Wir waren seit Juni ständig in Going und haben mit zahlreichen Leuten geredet“, erinnert sich Walch an die Ermittlungen. Schließlich verdichteten sich die Hinweise, dass ein 37-jähriger Einheimischer mit der Brandserie in Verbindung stehen könnte. Am Mittwoch war es so weit – Beamte des Landeskriminalamtes und der Polizeiinspektion Going nahmen den Verdächtigen fest. Der Unterländer selbst bestätigte bald mit seinem Geständnis, dass die Ermittler auf der richtigen Fährte waren. „Das Motiv blieb allerdings unklar“, sagt Walch. Im Anschluss musste der Beschuldigte in die Innsbrucker Justizanstalt übersiedeln. „Mittlerweile wurde auch die Untersuchungshaft verhängt“, so der LKA-Ermittler weiter.

Der Schaden, der bei den fünf Brandstiftungen angerichtet wurde, ist enorm: „Wir gehen von drei Millionen Euro aus“, sagt Walch. Dass der Verdächtige für weitere Brandstiftungen in Frage kommt, glaubt der Ermittler nicht. „Ich denke, das passt mit den fünf gelegten Bränden.“


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