Vor zehn Jahren sorgte Schumacher mit Comeback für schöne F1-Weihnachten

Vor zehn Jahren kündigt Michael Schumacher sein Comeback in der Formel 1 an. Der Boom geht wieder los. Drei Jahre später hört er auf. Vier Jahre später erreichen andere, schlimme Nachrichten über Schumacher die Fans.

Die Sensation war perfekt: Am 23. Dezember 2009 verkündete der damalige Mercedes-Teamchef Ross Brawn die Rückkehr von Michael Schumacher.
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Von Jens Marx, dpa

Es war die Nachricht, die zig Millionen Fans weltweit das Weihnachtsfest verschönerte und nicht nur der Formel 1 eine der größten Comeback-Sensationen bescherte. Am 23. Dezember 2009 bestätigte das deutsche Werksteam Mercedes die Rückkehr von Michael Schumacher. Der siebenmalige Weltmeister hatte genug vom Ruhestand nach nur drei Jahren. „Ich fühle mich gerade wie ein Zwölfjähriger, der durch die Gegend hüpft wie ein kleiner Junge“, sagte Schumacher damals - nicht mal zwei Wochen vor seinem 41. Geburtstag.

Den Beweis, dass er mit der Generation Vettel/Hamilton noch Rad an Rad fahren könne, müsse er erst noch im Cockpit erbringen, räumte er bei der Bekanntgabe des Piloten-Coups der Silberpfeile ein. „Aber ich fiebere dem schon entgegen.“ Er zweifle nicht an sich, betonte Schumacher damals.

Ecclestone sprach vom WM-Titel

Die Fans taten dies offensichtlich auch nicht. Die Ticketnachfrage stieg prompt, die Hockenheimring GmbH hatte eine zusätzliche Mitarbeiterin sogar aus dem Weihnachtsurlaub holen müssen, um die vielen Vorbestellungen für das Deutschland-Rennen im darauffolgenden Sommer zu bearbeiten.

Der damalige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone schwärmte, dass Schumachers Rückkehr „fantastisch“ für die Formel 1 sei. „Vergessen sie Rennsiege - ich habe ihn auf der Rechnung für den Sieg in der Weltmeisterschaft“, tönte der Brite.

Sieben WM-Titel, 91 Grand-Prix-Erfolge, 68 Pole Positionen und - seinerzeit - noch eine Reihe weiterer Rekorde brachte Schumacher aus seiner ersten Karriere von 1991 bis einschließlich 2006 mit. Die Bilanz nach den drei Comeback-Jahren: Kein Sieg, keine Pole, kein WM-Titel. Schumacher hatte dennoch gewonnen.

Die letzten Runden in der Formel 1: Mit einer "Thank you"-Fahne verabschiedete sich Schumacher 2012 in Brasilien aus der Motorsport-Königsklasse.
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Während seiner Zeit bei Mercedes 2010, 2011 und 2012 wirkte der einst unbarmherzige Rennroboter locker, entspannter - einfach sympathischer. „Ich habe das Verlieren gelernt. Aber ich kann in den Spiegel blicken und sagen, dass ich alles gegeben habe“, bilanzierte Schumacher.

Beim letzten Grand Prix seiner einmaligen Karriere war er mit einer Fahne im Silberpfeil mit der Aufschrift „Thank you“ zur Startaufstellung gefahren - meist mit einer Hand, weil er mit der anderen die Fahne festhalten musste im Autódromo José Carlos Pace von São Paulo. Dort, wo er sich 2006 nach seinem 250. Rennen in den rund dreijährigen Ruhestand verabschiedet hatte.

Brief an die Tifosi

Dass er nicht zu Ferrari zurückkehrte, sondern zum Rivalen Mercedes, veranlasste Schumacher seinerzeit sogar, unter die Briefeschreiber zu gehen. Er warb bei den Tifosi, die ihn für seine fünf Triumphe von 2000 bis einschließlich 2004 im roten Rennwagen verehrt hatten, um Verständnis: „Ich wäre glücklich, wenn ihr neben den beiden Ferrari-Piloten auch mir weiterhin ein kleines Stück Eurer unendlichen Sympathie schenken würdet.“

Daraufhin meinte die italienische Sportzeitung Tuttosport: „Schumi entschuldigt sich in einem Brief an die Fans, dass er wieder Deutscher wird.“ Andere wählten deftigeres Vokabular. „Ein Comeback, das stinkt“, befand Il Manifesto und die La Gazzetta di Modena schrieb: „Eiszeit in Maranello. Der Kannibale ist wieder da.“

Die Rückkehr zu den silbernen Motorsport-Anfängen hatte aber auch einen Grund. Im Sommer 2009 hatte Schumacher sogar am Comeback für Ferrari gearbeitet, nachdem sein ehemaliger Scuderia-Kollege Felipe Massa ausgefallen war. Er war in Ungarn durch eine herumfliegende Metallfeder gefährlich am Kopf verletzt worden.

Nach seinem schweren Skiunfall unterstützten Tausende Formel-1-Fans Schumacher vor dem Krankenhaus in Grenoble.
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Schumacher wollte einspringen, konnte aber nicht. Er kämpfte damals noch mit den Nachwirkungen eines Motorradunfalls im spanischen Cartagena im Februar. Ende desselben Jahres gab es keine Hindernisse mehr: „Der Nacken ist absolut beschwerdefrei.“ Drei Jahre war sein Vertrag bei Mercedes befristet, die Erfolgsära läutete aber erst sein Nachfolger Lewis Hamilton ein.

Die Schlagzeilen, die Reaktionen, die Fakten des Schumacher-Comebacks prägten die Sportseiten vor zehn Jahren weltweit auch noch zum Jahreswechsel. Dass danach in Sebastian Vettel mit Red Bull ein anderer Deutscher Ferrari die Titel (2010, 2011, 2012 und 2013) wegschnappen würde, der sich längst mehr als nur einen Tipp von Schumacher geholt hatte, war die eine Sache. Dass Schumacher vier Jahre später zur ähnlichen Zeit wieder die Sportwelt in Atem halten würde, eine andere. Eine traurige.

Ein Skiunfall verändert alles

Ein Sturz beim Skifahren am 29. Dezember 2013, Schumacher fiel mit dem Kopf auf einen Felsen, trotz Helmes erlitt er ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Lebensgefahr, künstliches Koma. Tifosi, Silberpfeil-Anhänger, Formel-1-Fans, Sportler, Politiker, besorgte Menschen weltweit.

Und noch heute. Informationen über den Gesundheitszustand des zweifachen Familienvaters gibt es nicht. Schumacher erholt sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit weiter von seinen Kopfverletzungen. Auf gute Nachrichten bei der Rückkehr Schumachers in ein normales Leben warten die Fans seit Jahren.


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