Die Gute Geschichte: Haus am Lohbach schlägt zum Jubiläum Brücken

Das Haus am Lohbach, eine Einrichtung von SOS-Kinderdorf, wird 20. Zum Jubiläum gab es eine Neuausrichtung und viel Herz für die Jugend.

Vorhang auf für die Selbstständigkeit: In der Einrichtung von SOS-Kinderdorf geht es um die Stärkung der Jugendlichen. (Symbolfoto)
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Von Marco Witting

Innsbruck –Wer mit Julia spricht, der merkt schnell die positive Energie, die sie versprüht. Was sie in der eigenen Wohnung so kocht? „Nudeln.“ Dann muss sie lachen. Julia hat ihre eigene Wohnung. Das ist für eine 18-Jährige schon ungewöhnlich. Seit Mai 2018 wohnt die quirlige junge Frau im Haus am Lohbach. Einer Einrichtung von SOS-Kinderdorf. Dieses wenig bekannte pädagogische Projekt wird heuer 20 Jahre alt.

Damals, 1999, wurden hier neue Wege in der Pädagogik beschritten. Im Obergeschoß gab es sieben Garçonnièren als Startwohnungen für junge Frauen, die zum Selbstständigwerden noch etwas Zeit brauchten. Das Haus am Lohbach war eine Brücke zum Erwachsenwerden und ein Pilotprojekt für etwas, das heute weit verbreitet ist: Betreutes Wohnen.

Heute leitet Susi Zoller-Mathies die Einrichtung. Und das Haus ist einmal mehr einer Veränderung unterworfen. Einer Veränderung, die auch der gesellschaftliche Wandel notwendig macht. „Wir würdigen das Alte und nehmen unser Wissen in viel Neues mit“, sagt Zoller-Mathies. Die Veränderung der Kinder- und Jugendhilfe des Landes nutzte man vor einigen Monaten zur Neuausrichtung. Betreutes Wohnen Innsbruck heißt man nun. „Wir haben jetzt 14 Wohnungen für Mädchen und Burschen von 15 bis 21 Jahren über die ganze Stadt verteilt“, sagt sie. Es ist ein geschützter, auch abgegrenzter Raum für die jungen Menschen. In dem einerseits sehr viel Selbstständigkeit verlangt wird. Andererseits ist es auch ein betreutes Umfeld, in dem die Jugendlichen pädagogisch und sozialarbeiterisch begleitet werden. So wie Julia. Die sich mehrmals die Woche mit ihrer Betreuerin trifft. Manchmal in der Wohnung, damit kontrolliert werden kann, ob alles in Ordnung ist. Manchmal auch außerhalb, im Café oder Supermarkt. Zur Unterstützung im Alltag. Aufräumen ist – wohl ganz natürlich – nicht die Stärke von Julia, wie sie sagt. Aber das geht anderen Menschen auch so. Ansonsten hat Julia eine tolle Entwicklung gemacht. Das bestätigt sie auch selber. Im zweiten Bildungsweg will sie die Matura nachholen und ist dort auf dem besten Weg. „Es hat sich extrem viel verändert für mich.“ Anfangs habe sie sich im Betreuten Wohnen nicht so wohl und vor allem eingeengt gefühlt. Jetzt berichtet sie voller Stolz, wie sie schon in jungen Jahren ihren Alltag meistert.

Im Bezug auf die Zielgruppe gibt es von SOS-Kinderdorf eigentlich keine Ausschlussgründe. Zwischen 15 und 20 Jahre alt sind die Jugendliche­n. Sie kommen aus sechs verschiedenen Länder­n. Die Betreuung reicht von herkömmlicher Betreuung bis hin zu intensiven Formen.

Was eint diese Jugendlichen? Was trennt sie? Zoller-Mathies versucht zu erklären: „Es geht um die Stabilität dieser Jugendlichen, die es nicht so leicht gehabt haben. Das eint sie. Ansonsten ist jede Geschichte, jeder Jugendliche sehr individuell zu betrachten.“ Einige kommen aus der SOS-Kinderdorffamilie. Andere haben sonst keine entsprechenden Angebote gefunden. Die Expertin mahnt ohnehin ein, dass es zu wenige derartige Einrichtungen in Tirol gibt. „Das Wichtigste ist die Beziehung zu den Jugendlichen“, sagt Zoller-Mathies. Die Betreuer seien kein Ersatz für die Eltern, aber wichtige Bezugspersonen. „Es gilt den Selbstwert der Jugendlichen zu stärken.“

Natürlich braucht es in einer solchen Einrichtung auch Regeln. „Wir haben klare rote Linien.“ Dazu gehören Gewalt, Alkohol und Drogen. Aber, so sagt Zoller-Mathies auch: „Die eigene Wohnung ist schon etwas, das unsere Jugendlichen motiviert und worauf sie dann schauen. Wichtig ist vor allem, dass wir eine Tagesstruktur aufbauen können und über die Beziehung zu den Jugendlichen die Probleme aufarbeiten können.“


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