Überfüllte S-Bahn sorgt im Unterland für Kritik

Zu wenig Sitzplätze und fehlendes ÖBB-Zugpersonal auf S1-Abendverbindung regt den Arbeitskreis Fahrgast Tirol auf.

Symbolfoto.
© Thomas Böhm

Von Angela Dähling

Schwaz –Adventzeit ist Weihnachtsfeier- und Weihnachtsmarktzeit. Und weil sich mit viel Glühwein im Magen besser Bahn als Auto fahren lässt, nutzen viele die abendlichen Zugverbindungen von Innsbruck heim ins Unterland. Zu viele mitunter – gemessen am Sitzplatzangebot im Zug. Der Schwazer Martin Teißl, der als Pendler und Schichtarbeiter werktags täglich in die S1 mit Abfahrt 23.30 Uhr ab Hauptbahnhof einsteigt, kann davon ein Lied singen. Kein schönes allerdings.

Als Sprecher des Arbeitskreises Fahrgast Tirol schildert er, was er vorgestern erlebte. „Einige hundert Menschen stiegen in die S1. Doch es gab nur 199 Sitzplätze und nur ein einziges WC. Sogar Stehplätze wurden knapp. Nachdem das WC besetzt war, musste sich ein jugendlicher Fahrgast vor dem WC im Fahrgastraum übergeben. Das stinkende Erbrochene rann im total überfüllten Zug über den Boden. Grauslich!“

Was Teißl aufregt: „Laut Verkehrsdienstevertrag sind die ÖBB dazu verpflichtet, ab 20 Uhr alle S-Bahnen mit einem Zugbegleiter zu bestücken, der für Fahrkartenkontrolle, Ruhe und Ordnung zu sorgen hätte. Doch dieser Vertrag ist voll mit Ausnahmeregelungen, weshalb die S1 nachts ohne Zugbegleiter und Securitypersonal durch die Nacht braust.“ Vor dem Fahrplanwechsel sei das zumindest an drei Werktagen der Woche noch anders gewesen. „Aber danach wurde offenbar wieder was eingespart. Nur am Dienstag war eine Zugbegleiterin bis Fritzens im Zug“, schildert Teißl seine Beobachtungen. Auch dass kein zweiter Triebwagen bei der besagten S1-Verbindung aufgrund verstärkten Fahrgastaufkommens eingesetzt werde, kritisiert Teißl. „Dabei ist das jedes Jahr so in der Woche vor Weihnachten und auch in der Nacht von Halloween auf Allerheiligen reicht ein Triebwagen nicht. Das wissen die ÖBB längst und ändern nichts.“ Laut Teißl sei es eine „Schweinerei“, dass die ÖBB 1,2 Milliarden Euro Steuergelder laut neuem Verkehrsdienstevertrag kassieren und dann solche Zustände herrschen.

Laut ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair werde die besagte S-Bahn-Verbindung im Regelfall von ca. 80 bis 100 Reisenden genutzt und habe bisher, was die Frequenz betrifft, auch keinerlei Auffälligkeiten gezeigt. „Dass am Donnerstag so viele Kunden diesen Zug nehmen, war nicht absehbar“, sagt er. Ein Sicherheitsrisiko habe nicht bestanden, die Situation habe sich ab Jenbach entspannt. Eine Verstärkung auf Verdacht sei nicht möglich. „Wir bedauern, dass bei einigen Fahrgästen das Reisegefühl gelitten hat.“ Der Zugführer habe in Kufstein eine außertourliche Reinigung der Garnitur veranlasst. Für bekannte Stark­reisezeiten wie Weihnachten und Neujahr sowie geplante Großereignisse (Bergsilvester, Hahnenkammrennen, Vierschanzen-Tournee) stelle man zusätzliche bzw. verstärkte Züge bereit. Für das Innsbrucker Bergsilvester seien rund 800 zusätzliche Sitzplätze vorgesehen.

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