Nächste Runde am Heumarkt: Erneuter Neustart verkündet

Das Hochhausprojekt am Wiener Heumarkt erhält einmal mehr eine neue Höhe. Ansonsten hätte der Wiener Innenstadt der Verlust des Prädikats Weltkulturerbe der UNESCO gedroht.

Das Rendering zeigt die Planung für die Neugestaltung des Wiener Heumarkt-Areals in der letzten Version.
© ISAY WEINFELD&SEBASTIAN MURR

Wien – Der Hochhausturm am Wiener Heumarkt wird nun möglicherweise doch – noch einmal – redimensioniert. Das Projekt soll künftig den Vorgaben der UNESCO entsprechen, um das Prädikat „Weltkulturerbe“ für die Wiener Innenstadt zu retten. Die UNESCO hat eine Höhe von 43 Metern als Maximum genannt.

Ein 66 Meter hohes Gebäude – das im internationalen Vergleich wohl eher nicht als Hochhaus durchgehen würde – sorgt seit Jahren für aufgeregte Debatten. Dabei würde das Objekt sogar vom Ringturm, der es auf 71 Meter schafft, überragt werden. In der ersten Version wäre das Heumarkt-Haus auf immerhin 73 Meter gekommen. Zum Vergleich: Der aktuelle Wiener Spitzenreiter, der „DC-Tower 1“ auf der Donauplatte, misst 250 Meter.

Wiener Innenstadt wäre kein Weltkulturerbe mehr

Dass die Causa sich derart hochgeschaukelt hat, liegt daran, dass der Neubau das der Innenstadt zuerkannte Welterbeprädikat in Gefahr gebracht hatte – obwohl der Turm genaugenommen gar nicht im ersten, sondern im dritten Bezirk gebaut wird. Allerdings: Die außergewöhnliche, historische Stadt-Silhouette wurde bei der Aufnahme in die Welterbeliste eigens hervorgehoben. Zu deren Schutz wurde eine Art Pufferzone um den Stadtkern gezogen.

Der Wunsch, in Wien (nach Schönbrunn) noch eine Welterbestätte zu erhalten, gipfelte 2001 in der Zuerkennung des Prädikats. Dass die UNESCO nun Stress macht, geschieht nicht aus Jux und Tollerei. Vielmehr ist es eine Muss-Bestimmung: Man sei vertraglich verpflichtet, dieses Stadtbild zu erhalten, sagt die UNESCO und auch der beratende Beirat ICOMOS.

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Turmhöhe wurde bereits einmal reduziert

Und so musste die Stadt bereits einmal die Reißleine ziehen: Im Mai 2016 wurde dem Investor Michael Tojner (Wertinvest) von der damaligen Planungsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) beschieden, dass es keine Flächenwidmung für die Variante mit 73 Metern geben wird. Im Dezember 2016 wurde dann die reduzierte Variante präsentiert – sowie der Neubau des Intercont-Hotels und ein Konzept für den Eislaufverein bzw. das Konzerthaus-Umfeld. Ein Managementplan zum Welterbe wurde ebenfalls in Aussicht gestellt.

Die UNESCO ließ aber bereits wenig später wissen, dass der Entwurf des Architekten Isay Weinfeld auch in der überarbeiteten Version nicht durchgeht. In einer Mitteilung wurde unmissverständlich darauf verwiesen, dass man stets mit offenen Karten gespielt hat: „Die UNESCO fordert seit 2012 die maximale Bauhöhe mit 43 Metern zu begrenzen.“ Prompt wurde die Innenstadt 2017 auf die Rote Liste der gefährdeten Welterbestätten gesetzt.

Grüne ob des Projekts vor Zerreißprobe gestanden

Die Flächenwidmung wurde trotz der Querelen beschlossen – was den Grünen übrigens eine veritable Zerreißprobe bescherte, da nicht wenige in der Öko-Partei das Projekt ablehnen. Die Debatten verstummten danach nicht. Vor allem die türkis-blaue Bundesregierung machte politischen Druck und stellte sogar eine Weisung an den nunmehrigen Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in Aussicht. Der Stadtchef beklagte wiederum, dass sich der Bund, der offizieller Vertragspartner der UNESCO ist, nicht ausreichend in der Causa engagiere.

Nun soll die Endlos-Debatte doch beendet werden. Wie es weitergeht, ist jedoch noch offen. Die Pläne werden nun umgearbeitet und danach den Welterbehütern vorgelegt. Falls die neue Variante nicht den nötigen Sanktus findet, schließt der Projektwerber aber nicht aus, das umstrittene Projekt doch durchzuziehen. (APA)


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