Wiener Dermatologie-Doyen Klaus Wolff gestorben

Der in der Fachwelt weltbekannte Wiener Dermatologie-Doyen Klaus Wolff ist tot. Wolff starb am Freitag (20. Dezember), wie Samstagabend einer seiner ehemals engsten Mitarbeiter an der Wiener Universitäts-Hautklinik nach ersten Informationen bestätigte. Am Sonntag veröffentlichte die MedUni Wien einen Nachruf.

Wolff wurde am 4. Dezember 1935 in Herrmannstadt im rumänischen Siebenbürgen geboren. Er studierte Medizin an der Universität in Wien. Forschungsaufenthalte führten ihn unter anderem an die Mayo-Klinik in Rochester (US-Bundesstaat Minnesota). 1976 wurde er Vorstand der Universitätsklinik für Dermatologie in Innsbruck, um dann 1981 an die Wiener Universitätsklinik (II. Universitäts-Hautklinik) berufen zu werden. Schließlich führte er die damaligen beiden Wiener dermatologischen Kliniken zusammen.

Wissenschaftlich war der Hautspezialist - mit in der Öffentlichkeit immer souveränem Auftreten - zusammen mit führenden internationalen Wissenschaftern ab den 1970er-Jahren an der Spitze der Entwicklung einer völlig neuen Dermatologie: Viele Hautkrankheiten wurden erstmals als systemische, den ganzen Organismus betreffende Leiden begriffen. Das brachte wesentliche Fortschritte in der Entwicklung neuer und wirksamer Therapien, die an den Krankheitsursachen ansetzten. Wolff war unter anderem mit der Erforschung der dendritischen Zellen der Haut (Langerhans-Zellen) Mitbegründer der modernen Immundermatologie. Er uns eine Mitarbeiter leisteten Pionierarbeit in der Entwicklung der photodynamischen Therapie der Psoriasis. Wesentliche Forschungsarbeiten galten auch dem malignen Melanom.

Ein anderer Aspekt: die medizinische Lehre. „Hast Du die Vorlesung vom Wolff gehört?“, hieß es viele Jahre lang unter den Medizinstudenten in Wien. Das waren „Hot News“ und beispielhaftes Auftreten gemeinsam. Auf die Frage, warum viele Melanome eben nicht so aussähen, wie er sie in den Lehrbüchern beschrieben hatte, antwortete Wolff einfach: „Gerade deshalb ist es so wichtig, dass wir den Leuten die Merkmale eines Melanoms in allen Einzelheiten lehren.“ Viele seiner „Schüler“ und Mitarbeiter wurden in ganz Österreich mit der Leitung dermatologischer Abteilungen betraut.

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Stichwort Aids: 1981 überschlugen sich die beunruhigenden Neuigkeiten. Wolff und sein Mitarbeiter Georg Stingl waren bei einem US-Dermatologen-Kongress. Als sie zurück kamen, wurden sie gefragt, was es denn neues gäbe. Ihre Antwort: „Ja, unglaublich, da gibt es plötzlich Kaposi-Sarkome bei jungen Menschen.“ - Die Folge von Aids. Die Wiener Universitäts-Hautklinik - und auch Pulmologen - waren jene Institutionen, wo die ersten Kranken in Österreich betreut wurden. Für die Verteilung des ersten Aids-Medikaments - Retrovir - organisierte Wolff wegen dessen Knappheit sogar ein eigenes System.

Wolff hat Hunderte wissenschaftliche Arbeiten geschrieben. Er war Mitherausgeber und Mitautor der weltweit geachtetsten Dermatologie-Lehrbücher. Der Vollblutwissenschafter wurde aber am meisten durch seine unbändige Neugier gekennzeichnet. Im Gespräch mit einem Journalisten meinte er zur Unsitte, nur noch Stichwörter-Datenbanken als Wissensquelle zu nutzen: „Was glauben Sie, warum hier in meinem Büro so viele gedruckte Zeitschriften herum liegen?“ - Könnte doch sein, dass auf der nächsten Seite - auf einem ganz anderen Wissenschaftsgebiet - etwas zu lesen wäre, das man wissen und nutzen müsse. Im elektronischen Schlagwortkatalog käme man darauf wohl nicht.


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