Weihnachten funktioniert auch mit Neuer Musik

Es gibt wohl kein zweites christliches Fest, das dermaßen mit Hörgewohnheiten einhergeht wie Weihnachten. Man denke an traditionelle Musik, ...

Sopranistin Maria Ladurner beim Weihnachtskonzert der Akademie St. Blasius im Landeskonservatorium.
© Hauser

Es gibt wohl kein zweites christliches Fest, das dermaßen mit Hörgewohnheiten einhergeht wie Weihnachten. Man denke an traditionelle Musik, an Pop-Dauerberieselung der Marke „Last Christmas" oder an sakrale Meisterwerke.

Das Jahr mit einem Weihnachtskonzert zu beschließen, ist der Akademie St. Blasius unter Karlheinz Siessl eine liebgewonnene Tradition und ein Fixtermin für viele Konzertbesucher. 30 Jahre lang von den Gründern des Instituts für Tiroler Musikforschung, Manfred Schneider und Hildegard Herrmann Schneider, mit musikalischen Raritäten aus Klöstern konzipiert, wurden die Konzerte begeistert aufgenommen.

Manfred Schneider ist in Pension, doch die Akademie St. Blasius macht weiter. Und wie angekündigt, wurde einiges anders. Denn mit Weihnachtsmusik ausschließlich aus dem 20. und 21. Jahrhundert wurden die weihnachtlichen Hörgewohnheiten der Zuhörer auf die Probe gestellt. Ein Lied durfte dann doch nicht fehlen: der Mega-Hit „Stille Nacht".

Auf der Suche nach „neuer" Weihnachtsmusik wurde Siessl fündig und entwickelte „Stille Nacht Revisited", das bereits 2018 in Fügen und Fiecht begeistert aufgenommen wurde. Erstmals — ergänzt um eine Uraufführung — war es am Wochenende im Konservatorium und in der Spitalskirche in Innsbruck zu hören.

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Arnold Schönbergs „Weihnachtsmusik", eine Verwebung aus „Es ist ein Ros' entsprungen" und „Stille Nacht" — was für ein betörend schöner Instrumentalgesang, wie wenn zarte Heimlichkeiten ans Licht getragen würden.

Franz Baur, Leiter der Kompositionsklasse am Landeskonservatorium, ergänzte seine spätromantisch verklärte „Missa pastoralis" (2007) mit einem „Credo" und präsentierte eine Musik von facettenreicher Zartheit, in der jeder einzelne Ton erzählerische Dimension, Schönheit und Tiefe in sich birgt. In zeitgemäßer, sehr persönlicher Tonsprache hörte man Elias Praxmarers uraufgeführte „Phantasie über ?Stille Nacht! Heilige Nacht'".

„O du fröhliche", mit Anklängen aus Advent- und Weihnachtschorälen erweitert, entpuppte sich als tiefgreifende Ausdifferenzierung von Klangkulturen des Konventionellen wie Experimentellen. Mit Arnold Schönbergs erst kürzlich wiederentdecktem „Notturno für Harfe und Streicher" waren wohl die letzten Zweifel, ob denn Weihnachten und Neue Musik zusammengehen, beseitigt.

Wohl auch deshalb, weil sich Orchester und Chor der Akademie St. Blasius im Zusammenklang mit dem von Thomas Waldner sauber einstudierten CHORrekt und der einnehmenden Solistin Maria Ladurner unter der Gesamtleitung von Karlheinz Siessl als wunderbarer Klangapparat präsentierten. (hau)


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