Kroaten entscheiden über Staatsoberhaupt

In Kroatien ist über den nächsten Präsidenten abgestimmt worden. Die Abstimmung am Sonntag galt als Bewährungsprobe für die konservative Amtsinhaberin Kolinda Grabar-Kitarovic, die ein zweites fünfjähriges Mandat anstrebt. In letzten Meinungsumfragen lag sie Kopf an Kopf mit dem sozialdemokratischen Herausforderer Zoran Milanovic, der von 2011 bis 2016 Ministerpräsident war.

Der parteilose Nationalist Miroslav Skoro folgte ihnen in den Umfragen mit etwas Rückstand. Den Volkslied-Sänger und Musik-Produzenten unterstützen mehrere kleine rechte und ultra-rechte Parteien. Die anderen acht Kandidaten lagen weit zurück.

Rund 3,9 Millionen Bürger waren in dem EU-Land an der Adria dazu aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Da voraussichtlich kein Kandidat auf 50 Prozent der Stimmen kommen wird, dürfte es am 5. Jänner zu einer Stichwahl zwischen den beiden Erstplatzierten kommen. Bis 11.30 Uhr gaben nach Angaben der Wahlkommission 15,8 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme ab. Die Wahlbeteiligung lag damit um 2,5 Prozentpunkte höher als zum selben Zeitpunkt vor fünf Jahren.

Beobachter hielten es für offen, welchem der drei aussichtsreichsten Kandidaten es am Ende gelingen würde, in die zweite Runde zu gelangen. Grabar-Kitarovic, die aus der regierenden konservativen HDZ-Partei kommt, war mit dem Bonus der amtierenden Präsidentin ins Rennen gegangen. Ihr leutseliges Auftreten und ihre wolkigen Versprechungen kosteten sie jedoch Sympathiewerte.

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Auch schlug Grabar-Kitarovic, bedrängt vom Populisten Skoro, zunehmend nationalistische Töne an. Der Sozialdemokrat Milanovic versprach wiederum angesichts der „Scheindebatten“ der Rechten „Normalität“. Kroatien müsse den Krieg gegen Serbien, der dem Land von 1991 bis 1995 Tod und Verwüstung, aber auch die Unabhängigkeit gebracht hatte, endlich hinter sich lassen.

Skoro versuchte hingegen mit markigen nationalistischen Parolen zu punkten. Unter anderem will er den Gruß „Für die Heimat bereit!“ (Za dom spremni!), den das mörderische und faschistische Ustascha-Regime im Zweiten Weltkrieg geprägt hatte, als Teil der „Traditionspflege“ legitimieren. Laut dem kroatischen Verfassungsgericht ist die Grußformel als illegale Hassrede zu bewerten.

Das kroatische Staatsoberhaupt hat weitgehend nur zeremonielle Befugnisse. Die jetzige Wahl gilt aber auch als ein gewisser Indikator für die Stärke des rechten und des linken Lagers vor den Parlamentswahlen im kommenden Jahr.

Die Wahllokale schließen um 19.00 Uhr. Mit Ergebnissen wurde am späten Sonntagabend gerechnet.


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