Weiter auch Dieselloks im Einsatz: Strecke unter Strom sagt im Außerfern noch nichts

Trotz gerade gefeierter Vollelektrifizierung der Außerfernbahn bis Vils ziehen weiter Dieselloks die Waggons der Zementindustrie durch den Bezirk Reutte. Die ÖBB verweisen auf das neue Jahr.

Eine Aufnahme vor wenigen Tagen: Die Außerfernbahn zieht Güterwaggons trotz Vollelektrifizierung weiter mit Dieselloks.
© Markus Inderst

Von Helmut Mittermayr

Reutte, Innsbruck –Am Reuttener Bahnhof wurde am 11. Dezember ein große Feier abgehalten. An einer Balus­trade zu den Gleisen hin wurde extra ein alter Stromschalter angebracht, damit ÖBB und Politik diesen unter großem Applaus symbolisch umlegen und damit die letzten Kilometer bis zur Staatsgrenze Vils unter „grünen“ Strom setzen konnten. Unter die Gäste, die mit dem Lückenschluss Reutte/Vils zugleich die 100-prozentige Elektrifizierung aller ÖBB-Strecken Tirols feierten, hatte sich auch ein Mann aus Biberwier gemischt. Markus Inderst, Zugfreak und Fachjournalist mehrerer Eisenbahnmagazine, stellte sich, kaum waren die Häppchen verdaut, an die Gleise der Außerfernbahn. Und stellte fest: Die Güterzüge, die die schwere Last der Zementindustrie aus Vils ins Landesinnere zogen, stießen weiterhin ihren Dreck in die Luft aus. Denn Dieselloks waren vorgespannt, und nicht wie angekündigt nur noch Elektroloks. Wo war jetzt der „Meilenstein“ in der CO²-Vermeidung, fragte sich Inderst, der seither fast täglich der Strecke einen Besuch abstattet und dauernd Dieselloks fotografiert.

„Dass der Personenverkehr bis zur Fertigstellung der letzten 1,5 km zur Grenze weiterhin mit Dieseltriebwägen betrieben wird, war allen klar. Die Elektrifizierung für elf Mio. Euro wurde aber extra für den Güterverkehr errichtet und in den aktuellen Umlaufplänen findet sich auch die komplette elektrische Traktion des Güterzuges im Außerfern“, sagt Inderst. In Wahrheit führen aber weiter ÖBB-Diesellokomotiven. Zudem könne ein Bahnhofsverschub in Reutte ohne Diesellok gar nicht effizient funktionieren, weil mehrere Ladegleise nicht mit Fahrdraht überspannt seien.

ÖBB-Pressesprecher Christoph Gasser-Mair kann die Aufregung Indersts nicht verstehen. Mit Jahreswechsel werde umgestellt. Also zumindest dann, wenn die ersten Güterzüge aus Vils im neuen Jahr unterwegs seien. Und großartige Güterverschübe im Bahnhof Reutte gebe es derzeit nicht.

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