Verkehr trübt Tirols Energiebilanz

Der steigende Endenergieverbrauch im Verkehr, der zu 90 Prozent von fossilen Energien gespeist wird, macht die Energiewende in Tirol sehr schwer.

Fossile Kraftstoffe dominieren nach wie vor zu 90 Prozent den Endenergiebedarf in der Mobilität.
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Von Peter Nindler

Innsbruck –Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre, würde Tirol bei der Energiewende schon viel weiter sein. Denn der Verkehr drückt auf eine an sich positive Bilanz, wie das jetzt von Energiereferent LHStv. Josef Geisler (ÖVP) vorgelegte Energiemonitoring 2019 sowie die aktuellen Zahlen der Statistik Austria zeigen: Gegenüber 2017 ist der Endenergiebedarf mit 87.195 Terajoule um etwas mehr als zwei Prozent gesunken, im Vergleich zu 2005 aber um 1,7 Prozent gestiegen. Warum? Weil es für den Verkehr um 8,5 Prozent mehr Energie benötigt.

Vor allem gelingt im Verkehrsbereich der Ausstieg aus den fossilen Energien (Öl) nur in ganz geringem Ausmaß. Der Bedarf wird nach wie vor zu 89 Prozent daraus gedeckt, 2005 waren es 93 Prozent. Schließlich ist auch der Straßengütertransit in diesem Zeitraum um 13 Prozent gestiegen.

Die Elektromobilität im Verkehr hinkt ebenfalls hinterher: Knapp 407.000 Fahrzeuge waren im Vorjahr in Tirol zugelassen, lediglich 5352 davon hatten einen Elektro- oder Hybridantrieb. Das sind rund 1,3 Prozent, auf diesem niedrigen Niveau fallen die Steigerungszahlen mit 53 bzw. 33 Prozent jedoch außerordentlich aus. Im kommenden Jahr möchte das Land Tirol den Anteil der Elektro-Fahrzeuge allerdings auf fünf Prozent des Gesamtbestands hinaufschrauben. Ein ambitioniertes Unterfangen.

Generell hat sich Tirol zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 energieautonom zu werden, aus fossilen Energieträgern auszusteigen und seinen Energiebedarf aus heimischen, erneuerbaren Energieträgern zu decken. Dafür muss der Endenergieeinsatz aber noch einmal um mehr als 30.000 Terajoule reduziert werden.

Bei einwohnerbezogener Energie ist Tirol bereits auf einem guten Weg – 6,5 Prozent weniger Verbrauch seit 2005 trotz eines Bevölkerungswachstums von 31 Prozent in diesem Zeitraum. Zudem stagniert der Strombedarf in den privaten Haushalten seit 2003. Die Wirtschaft hat ihren Energieaufwand seit 2005 um 3,8 Prozent reduziert.

Bei den Heizungen konnte Öl um etwa die Hälfte verringert werden, außerdem lag der Anteil von erneuerbaren Energieträgern im Vorjahr mit 45,6 Prozent deutlich über dem Österreichschnitt von 33,4 Prozent.

„Wir machen gute Fortschritte, aber wir haben noch einen Großteil des Weges in eine erneuerbare Energiezukunft vor uns“, betont Geisler. Er ist realistisch, denn neben Energieeffizienz und dem sparsamen Umgang mit den Energieressourcen benötigt es aus seiner Sicht auch den Ausbau der Wasserkraft. Das beinhaltet eine zu Beginn des Jahres veröffentlichte Studie „Ressourcen- und Technologieeinsatz-Szenarien Tirol 2050“. Darin werde dokumentiert, dass die Erreichung des Wasserkraftausbauziels 2036 in allen Szenarien für die Energiewende 2050 absolut notwendig sei und vorrangig vorangetrieben werden müsse. Ausnahmslos müssten alle zur Verfügung stehenden erneuerbaren Energiequellen zur Erreichung der Energieautonomie bestmöglich genutzt werden, erklärt Geisler.


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