Maria Theresia: Eine Kaiserin auf der Achterbahn

Maria Theresia unter dem Weihnachtsbaum: Fortsetzung von Robert Dornhelms Historien-Erfolg mit Stefanie Reinsperger als Herrscherin in allerlei Nöten.

Prunk und Pracht einer Kaiserin. Stefanie Reinsperger als Maria Theresia.
© ORF/MR Film/Czech Television/Luk

Von Bernadette Lietzow

Wien –Vor Kurzem war sie im Salzburger Landkrimi zu sehen, zwei Saisonen schlüpfte sie in die Rolle der „Buhlschaft“ an der Seite von „Jedermann“ Tobias Moretti bei den Salzburger Festspielen. Sie feierte große Erfolge am Burgtheater wie am Volkstheater und steht derzeit in Michael Thalheimers fulminant besprochener Inszenierung von Karl Schönherrs „Glaube und Heimat“ auf der Bühne des Berliner Ensembles, in ihrer seit 2017 neuen Heimatstadt. Die Rede ist von Stefanie Reinsperger, 1988 in Baden bei Wien geboren, deren großes Talent man nun im zweiteiligen ORF-Festtagspräsent „Maria Theresia“ ganz bequem vom Sofa aus bewundern kann.

„Es hat mich etwas Zeit gekostet, die Figur wieder loszulassen“, gesteht Reinsperger im Gespräch mit der TT, schließlich rücke einem eine so komplexe Persönlichkeit wie Maria Theresia in ihrem Spagat zwischen Thron, Mutter wie Frau sein sehr nahe.

Fast drei Monate nahmen die Dreharbeiten der Film-biografie in Anspruch, die sich, nach dem Publikumserfolg der ersten beiden, im Dezember 2017 ausgestrahlten Teile über das ereignisreiche Leben (und Lieben) der jungen Erzherzogin bis zur Krönung zum „König von Ungarn“, nun den stürmischen 1740er-Jahren widmet.

Ob die Entscheidung, sich der über die Jahrhunderte fast mythisch verklärten „Landesmutter“ darstellerisch zu nähern, auch eine von Stefanie Reinspergers so wichtigen „Herz- und Bauchentscheidungen“ war, sei dahingestellt. Der Devise „Wenn ich sie spiele, muss ich sie lieben“ folgend, gestaltet sie eine äußerst kraftvolle, glaubhafte Regentin, die auch in diversen Verzagtheiten, privater wie politischer Natur, die ihr aufgebürdete Verantwortung zu tragen bereit ist. Und ist damit ein Gewinn für Robert Dornhelms Film, der sich, wie schon Teil eins und zwei, entlang des Drehbuchs von Miroslava Zlatníková streckenweise allzu leichtfüßig, Stichwort Klatschspalte, mit der Herrscherinnen-Persönlichkeit auseinandersetzt.

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Das Einsetzen einer Keuschheitskommission aus Enttäuschung über Franz Stephans (Vojtech Kotek) Untreue inklusive Dirnen-Bestrafung, aufgepeppt mittels eines heilsamen Liebes-Ausrutschers der Kaiserin, wird lustvoll zelebriert. Das militärisch erfolgreiche wie grausame Wüten des in Maria Theresias Diensten stehenden Baron von der Trenck (Haudegen-Paraderolle für Philipp Hochmair) und seiner Panduren-Truppe sorgt für ziemlich derbe Szenen.

„Es ist ein historischer Film, der viel Witz hat und aus heutiger Sicht erzählt wird“, so Regisseur Dornhelm, der unterhalten und, wie er schon 2017 der TT gegenüber betonte, zu keinem „Museumsbesuch“ einladen möchte.

Die ORF-Kooperation mit TV-Anstalten aus Tschechien und der Slowakei, verstärkt durch namhafte Schauspieler aus den Partnerländern, führt wieder zu prächtigen Schauplätzen wie dem südmährischen Schloss Valtice. Reifrock, livrierte Diener, Juwelen und gepuderte Perücken feiern barocke Pracht.

Eine kleine Schnurre am Rande: Anfänglich holte sich Stefanie Reinsperger einen Muskelkater in den Armen, schließlich verlangen die prunkvollen Kostüme der Körperhaltung einiges ab!


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